Wie dramatisch sind die neuen Handgepäckregeln bei Ryanair?

Es ging gestern durch die Medien wie ein Lauffeuer. Ryanair verbannt große Teile des Handgepäcks und lässt sich jeden Koffer in Zukunft bezahlen. Eine Katastrophe für Low-Budget-Reisende? Jein…

Es ging gestern durch die Medien wie ein Lauffeuer. Ryanair verbannt große Teile des Handgepäcks und lässt sich jeden Koffer in Zukunft bezahlen. Eine Katastrophe für Low-Budget-Reisende? Jein…

Eine lange Zeit dufte man bei Ryanair mit einem Handgepäck-tauglichen Koffer und einer kleinen Tasche ins Flugzeug und das komplett kostenlos. Wir waren viele Male mit der Airline unterwegs und haben oft beobachtet, wie Passagiere diese Regelung (die übrigens einzigartig im Billigflieger-Kosmos war) auf’s äußerste strapaziert haben. Gepäckfächer wurden bis zum Bersten geladen, Passagiere wankten beladen mit Taschen durch den Flugzeuggang, es wurde geschubst, gedrängelt, gepöbelt.

Im letzten Jahr wurden die Regeln geändert und fortan landete das große Gepäckstück der beiden erlaubten grundsätzlich im Frachtraum. Kostenlos. Dem entgehen konnte man mit der Buchung des Priority Boarding, welches einem weiterhin erlaubt, beide Gepäckstücke mit an Bord zu nehmen. Das wurde unser Way-to-Go, weil wir Technik & Co gerne am Sitzplatz haben. Den Aufpreis von 6 Euro/Flug nahmen wir da zähneknirschend auf uns, zudem wir als erste ins Flugzeug durften und weniger mit dem Platzgerangel zu tun hatten.

Jetzt aber ließ Ryanair die Bombe platzen. Ab 1. November kostet auch der kleine Handgepäck-Koffer extra und zwar 8 Euro/Flug, wenn man es online im Buchungsprozess vorreserviert, ansonsten 10 Euro. Kostenlos ist jetzt nur noch eine kleine Tasche von 40x20x25cm. Diese Größe wurde im Rahmen der neuen Regelung übrigens angehoben, Rucksäcke sollten problemlos da durchgehen. Darüberhinaus wurden die sogenannten Bag Sizer, an denen getestet wird, ob das Gepäckstück den erlaubten Maßen entspricht, zusätzlich vergrößert.

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Was passiert jetzt aber mit Priority Boarding? Das wird laut Ryanair weiterhin 6 Euro/Flug kosten und hier wird man weiterhin 1 kleines Gepäckstück und einen Handgepäck-Koffer mit an Bord nehmen dürfen. Wer also die letzten Monate mit Priority Boarding unterwegs war – so wie wir -….es ändert sich NICHTS, außer dass das kleine Gepäckstück jetzt sogar größer sein darf.

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Eine Übersicht, was sich für Non-Priority- und Priority-Kunden ändert (Quelle: Ryanair Website).

Über den Sinn des Ganzen kann man sich da natürlich seine Gedanken machen. Werden jetzt nicht einfach alle Passagiere Priority Boarding buchen, dadurch billiger zwei Gepäckstücke mitnehmen dürfen und das Chaos an Bord bleibt das gleiche? 

Nein, denn Priority Boarding ist laut Ryanair auf 95 Passagiere pro Flug beschränkt. Das macht in sofern Sinn, dass an Bord Platz für rund 100 Handgepäck-Koffer ist und damit nicht die Situation eintreten kann, dass alle Passagiere eines Fluges Priority Boarding buchen und das gleiche Chaos entfachen wie vorher. Ryanair rechnet damit, dass sich für 60% der Passagiere nichts ändert, weil 30% bereits mit Priority Boarding fliegen und weitere 30% bereits nur mit kleinen Taschen wie bspw. einem Rucksack fliegen. Lediglich rund 40% der Passagiere sind Non-Priority und reisen mit der vollen Gepäckladung. Ryanair möchte diese Kunden dazu zwingen, sich in Zukunft je nach Trip zu entscheiden, wie viel Gepäck sie brauchen.

Angeblich geht’s überhaupt nicht ums Geld-Verdienen, was natürlich Quatsch ist. Nichtsdestotrotz sind andere Billig-Airlines schon seit langem deutlich restriktiver beim Gepäck. Bei Easyjet wurden wir Zeuge, wie ein Kunde mit einem etwas zu großen Handgepäck-Koffer direkt aus der Schlange rausgezogen und zur Kasse gebeten wurde. Bei über 30 Ryanair-Flügen haben wir sowas noch nie erlebt.

Ob die Neu-Regelung zu Verbesserungen führt, wagen wir zu bezweifeln, aber da wir die letzten Monate sowieso immer mit Priority Boarding unterwegs waren, ändert sich für uns erstmal überhaupt nichts. Sollten die Preise für den Tarif in Zukunft deutlich anziehen, wird sich unsere Meinung dazu natürlich nochmal drehen. So wie es jetzt ist, ist es ein Move, der uns kaum betrifft und möglicherweise das Chaos beim Ryanair-Boarding geringfügig verringern könnte. Im Endeffekt sind die Passagiere auch nicht ganz unschuldig an der Situation, denn Billigflieger können nur funktionieren, wenn sie nach 25 Minuten am Boden wieder in der Luft sind. Wenn hunderte Fluggäste um ihre Plätze rangeln und dann auch noch Unmengen von Taschen verstauen müssen, passt das irgendwann nicht mehr und die Preise steigen. Wen das stört, der muss mit den etablierten Airlines fliegen und die 5-fachen Preise bezahlen….und auch da werden mittlerweile immer mehr Leistungen gekürzt…leider!

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