Algenchaos in der Karibik – Wie Massentierhaltung und Überdüngung mit Traumstränden kollidieren

Als wir 2017 eine Woche an der Karibikküste Mexikos verbrachten, hatten wir so unsere Schwierigkeiten, den Strand unserer Träume zu finden. Mit Schuld waren schon damals extrem ausufernde Algen-Teppiche an den Stränden (die wir damals noch für Seegras hielten). Auch in Florida fiel uns das im März diesen Jahres auf. Die Lage hat sich mittlerweile nochmal deutlich verschlimmert und drückt vor allem in der Cancun-Region heftig auf den Tourismus. Der Grund für die braune, alles verstopfende Masse liegt aber mal wieder beim Menschen…

Wir führten die Algenteppiche bei unserem Mexiko-Trip im Sommer 2017 auf gleich mehrere Hurrikane im Golf von Mexiko zurück, die kurz vor unserer Ankunft über der Karibik gewütet hatten. Letztendlich waren die Algenablagerungen (die wir damals noch für Seegras hielten) auch nicht weiter dramatisch, es sah eben nicht ganz so paradiesisch aus wie auf Instagram und roch hier und da ein wenig unangenehm. Im Endeffekt kletterte man halt drüber und kam so trotzdem noch ins karibikblaue Wasser. Wir hakten es als #firstworldproblem ab und regten uns nicht weiter auf… mit dem #firstworldproblem hatten wir dabei mehr Recht, als wir dachten.

Die Bilder, die sich mittlerweile aus der Karibikregion und vor allem Mexiko häufen, machen geradezu überdeutlich, dass das gehäufte Vorkommen (im wahrsten Sinne des Wortes) von Sargassum Muticum, einer Braunalgenart, nicht mit ein paar Stürmen zusammenhängen kann, sondern ein menschgemachtes Problem ist, welches nicht nur den Tourismus, sondern vor allem das Ökosystem Karibik bedroht.

Auf mehreren Seiten wird darüber berichtet, soziale Netzwerke wie Twitter sind voll mit Horrorbildern und es beschäftigt uns, wie ein Ort, den wir vor nicht allzu langer Zeit selbst besucht haben, so aus den Fugen geraten kann und vor allem woran es liegen kann.

Woher kommt also diese ungeheure Masse an Sargassum-Algen? In einem Tagesschau-Artikel sieht eine Wissenschaftlerin das Problem in der Amazonasregion, die von der Landwirtschaft seit vielen Jahren in Mitleidenschaft gezogen wird. Konkret geht es im Fall der Sargassum-Alge um Düngemittel, die aus den Amazonasregionen in den Atlantik gespült werden und von dort in die Karibik gelangen. Im Dünger finden die an der Oberfläche treibenden Algenteppiche ideale Nährstoffquellen und vermehren sich folglich rapide. Der Klimawandel und sich ändernde Meeresströmungen tun ihr übriges.

Die Folgen dieser alles verstopfenden Algenpopulation sind dramatisch. Zunächst leidet natürlich der Tourismus und damit eine riesige Region mit unzähligen Arbeitsplätzen. Schon jetzt werden im mexikanischen Bundesstaat Quintana Roo täglich 1000 Tonnen Sargassum-Algen pro Tag weggeräumt, allein in Playa del Carmen arbeiten täglich 80 Menschen an der Algen-Säuberung, dazu hat die Region den Notstand ausgerufen, Hotels experimentieren mit im Meer treibenden Plastikbarrieren. Strand-Touristen wollen eben keinen mit Algen zugemüllten Strand in ihrem teuren Karibik-Urlaub sehen.

Das viel größere Problem ist aber natürlich das empfindliche Ökosystem, denn die Algenteppiche verdunkeln ganze Meeresbereiche, Korallenriffe sterben, Seegraswälder am Meeresboden werden regelrecht erstickt. Das wiederum sorgt dafür, dass die Strände vom Wasser abgetragen werden, dass Hurrikane besseren Zugang ins Landesinnere finden, dass Fische und Schildkröten sterben. Gerade letztere haben es durch die Algenbarriere an den Stränden besonders schwer. Wenn die jungen Baby-Schildkröten an den Stränden schlüpfen und möglichst schnell zum Überleben ins Meer müssen,  verheddern sich viele im Algen-Wirrwarr und sterben dort.

Die Schäden, die entstehen, sind langfristig kaum zu beziffern. Wenn keine Änderung eintritt, wird nicht nur ein wertvolles Ökosystem zerstört und seltene Spezies bedroht, sondern eine ganze Region, die zu großen Teilen vom Tourismus lebt, verliert ihren wichtigsten Einkommenszweig. Arbeitslosigkeit, Kriminalität etc. nehmen Überhand…die Aussichten sind alles andere als rosig. Forscher geben der Region noch 5 bis 10 Jahre, bis es endgültig zu spät sein könnte.

Wie das beim Klimawandel so ist, ist das Problem auch hier ungeheuer komplex und lässt sich nicht mit einer Stellschraube lösen. Nicht von der Hand zu weisen ist aber die destruktive Landwirtschaft im Amazonasgebiet, die nicht nur irreversible Schäden im brasilianschen Regenwald anrichtet (gerade hochaktuell mit den gewaltigen Waldbränden), sondern durch extensives Düngen auch die Weltmeere schädigt und damit Regionen trifft, die tausende Kilometer entfernt liegen.

Und was haben wir damit zu tun, wenn die Brasilianer es im südamerikanischen Regenwald mit dem Düngen übertreiben? Nunja, jeder der sich schonmal mit dem Klimawandel auseinandergesetzt hat, weiß vermutlich, wie Massentierhaltung, Futtermittelanbau und die Abholzung des Regenwaldes miteinander zusammenhängen. Auch wie man daran etwas ändern kann, ist schon lange kein Geheimnis mehr, aber zweifellos ein für viele sehr unbequemes Thema…



Es ist erschreckend und faszinierend zugleich, dass man als Tourist kopfschüttelnd vor einem Algen-verschmutzten Strand steht und vielleicht in Zukunft das Land mangels entdeckten Traumstränden meidet, ohne dass einem die verheerenden Ursachen für die verschmutzten Karibikstrände bewusst werden. Uns ging es vor zwei Jahren genauso, was sich hier ja sogar nachlesen lässt. Zur nächsten Strand-Destination weiterziehen, kann aber eigentlich nicht die Lösung sein, denn vor dem Klimawandel können wir uns nirgendwo verstecken. Ob in Cancun, Thailand oder Mauritius, er wird uns überall über kurz oder lang am Sack packen.

Keine Frage, es muss sich in vielen Bereichen was tun, auch im Bereich der Flugreisen, die wir ja hier nicht ganz unwesentlich promoten, aber es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die fünf weltgrößten Fleisch- und Molkereikonzerne zusammen mehr Treibhausgas-Emissionen ausstoßen, als die drei größten Ölkonzerne (die nicht nur Kerosin, sondern auch Treibstoffe für Autos, Lastwagen und die Schifffahrt liefern)Wenn das Wachstum der Fleisch- und Molkerei-Branche weiter anhält, sprechen wir im Jahr 2050 von 80 Prozent der Treibhausgase, die auf der Erde ausgestoßen werden. Bei der Luftfahrt liegt der weltweite Ausstoß bei derzeit etwa zwei Prozent, bis 2050 könnten es 8 Prozent werden. Auch das ist zu viel und auch da muss etwas getan werden. Tatsächlich wird aber in dem Bereich schon recht fieberhaft an neuen Möglichkeiten gearbeitet, alleine weil Einsparungen schon im rein wirtschaftlichen Interesse der Airlines sind, während in der Fleischindustrie und Tierhaltung nur wenige positive Signale gesetzt werden und die Zerstörung mehr und mehr voranschreitet. Was gerade im Amazonas passiert, ist ein verzweifelter Aufschrei unserer grünen Lunge, deren Katastrophenbilder wir – überspitzt ausgedrückt – bei einem BigMäc bei McDonalds anstarren.

Wir sind gespannt auf eure Meinung! Wie seht ihr das? Seid ihr auch schon mit den Braunalgen-Teppichen in der Karibik in Berührung gekommen oder wart sogar vor kurzem in Mexiko vor Ort?

Titelfoto: rjsinenomine, https://flic.kr/p/xmG3cX [Creative Commons-Lizenz]

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