Die schönsten Straßen im Südwesten? – Utah Scenic Byway 12 / 24 – Part I

Manchmal ist einfach der Weg das Ziel! Wir stellen euch eine unserer Lieblings-Strecken durch den Südwesten der USA vor – den Utah Scenic Byway 12!

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Wer schonmal auf einem Road Trip war, kennt das Phänomen. Bei all den unzähligen Kilometern, die man runterreißt, rauscht man oft durch die Landschaften durch und kann sich hinterher nur noch an die Fotospots erinnern, wo man angehalten hat oder abgebogen ist. Hin und wieder gibt es aber Strecken, die mehr sind als nur die geteerte Verbindung zweier Hot Spots: pure Magie, ein Kunstwerk eingerahmt von einer unsterblichen Landschaft, wo der Weg zum Ziel wird. Wir haben da einen bzw. zwei Kandidaten im Herzen von Utah für euch!

Nach dem City-Overkill, den sich die meisten US-Roadtripper nach ihrer Ankunft in Los Angeles, San Francisco oder Las Vegas ausgesetzt sehen, wirkt die idyllische Flusslandschaft zwischen Kanab und Panguitch im Südwesten Utahs wie ein kompletter Gegensatz. Wo Gebirgsketten, rote Felsen und malerische Flussauen aufeinander treffen, zweigt der Utah Scenic Byway 12 – offiziell auch Utah State Route 12 genannt – vom US Highway 89 ab. An dieser Stelle beginnt auch unsere Liebeserklärung an die Straßen-Kombination, die uns rund 214 Meilen durch die schönsten Landschaften Utahs führen wird.

Und das erste Highlight lässt nicht lange auf sich warten. Schon nach wenigen Meilen werden wir mitten durch den kleinen Red Canyon gelenkt, der mit seinen rötlichen Felsnadeln bereits seinen großen Bruder, den Bryce Canyon National Park, ankündigt. Wer sich aus dem National Park-Trubel raushalten will, findet hier bereits herrlich unberührte Natur.

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Die berühmten Tunnel im Red Canyon…

Noch einsamer geht es, wenn man kurz vor dem Red Canyon auf eine Dirt Road zum Losee Canyon und Casto Canyon abbiegt. So gelingt man nach wenigen Meilen Off-Road-Abenteuer zu fast schon intimen Wildwest-Schluchten. In völliger Einsamkeit kann man auf ausgetrockneten Flussbetten in eine grandiose Landschaft aus Felsnadeln in allen Rottönen hinein wandern – zumindest dann wenn kein Thunderstorm in der Nähe wütet, denn die können ausgetrocknete Flussbetten in tückische Fallen verwandeln. Also morgens immer mit einem Auge auf den Wetterbericht starten!

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Ganz allein den wilden Westen erkunden! Möglich am Casto Canyon in der Nähe des berühmten Bryce Canyon National Park!

Der wahre Star ist aber natürlich der nahe Bryce Canyon National Park, den man quasi nicht verfehlen kann, wenn man dem Utah Scenic Byway 12 weiter Richtung Osten folgt. Nach einem Anstieg von mehreren hundert Metern läuft die Straße auf einer weitläufigen Hochebene entlang, auf der zügig zahlreiche Billboards alles andere als subtil auf den nahenden Touristenmagneten hinweisen. Aber auch wenn die Reisebusse schon lange den National Park mit hektisch umherwuselnden Touris überfluten, ist er immer noch eines der absoluten Highlights im Südwesten der USA.

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Nicht mal die Panorama-Funktion kann den Bryce Canyon in seiner schieren Größe erfassen…

Auch wenn es auf den bis zu 2800 Meter hohen Aussichtspunkten selbst im Sommer schon mal frisch werden kann, sind die gebotenen Views jedes Mal auf’s Neue ein Gänsehaut-Spektakel. Die charakteristischen Felsnadeln – auch Hoodoos genannt – sammeln sich in großflächigen Amphittheatern und paaren sich mit einer gigantischen Weitsicht (an perfekten Tagen bis nach New Mexico!). Mit jeder Lichtveränderung treten neue Details zu Tage und die Farbgebung der Felsen ändert sich quasi im Minutentakt. Es ist unglaublich!

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Aus jeder Perspektive ein wahrer Augenöffner: Der Bryce Canyon National Park.

So richtig haben wir die Magie dieses Ortes aber erst erkannt, als wir tatsächlich mal in den Bryce Canyon reingewandert sind. Das geht ganz problemlos auf mehreren Loops, also Wegen, die automatisch wieder zum Ausgangspunkt zurückkommen. Für Einsteiger empfehlen wir den Navajo Loop Trail, der mit 1,3 Meilen relativ moderat ist und zudem gut in 1-2 Stunden machbar. Ganze 167 Höhenmeter steigt man in das steinerne Wunderwerk hinab, welches erst beim Abstieg so richtig greifbar wird. Denn was von oben wie eine Miniatur-Ansammlung tausender Felsnadeln wirkt, sind in Wahrheit gigantische Kolosse von zig Metern Höhe. Es hat den Anschein, als werde man in diese unsterbliche Kulisse hineingeschrumpft, umso weiter man hinab steigt. Dieser Perspektivenwechsel lässt einen immer wieder in Ehrfurcht erstarren und ist einer von vielen unvergesslichen Aha-Momenten auf dieser Strecke!

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Die Serpentinen hinab in den Bryce Canyon!

Bis zum Bryce Canyon haben viele Südwest-Touristen den Utah Scenic Byway 12 schon gesehen. Von hier drehen die meisten dann aber wieder, um weiter Richtung Grand Canyon & Co oder zurück zu den Städten zu fahren. Dabei fängt der Spaß eigentlich erst an!

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Hinter dem Bryce Canyon legt der Utah Scenic Byway 12 erst so richtig los…

Lässt man den Bryce Canyon National Park hinter sich, stößt man vor in grüne Täler, eingerahmt von majestätischen Fels-Massiven, die in den verschiedensten Farbtönen leuchten. Der Utah Scenic Byway 12 schlängelt sich zielsicher durch kleine Ortschaften wie Tropic und Cannonville, ehe sie sich wieder in die vollkommene Wildnis verabschiedet. Die Straße tastet sich tief in die Steppen-ähnliche Gebirgslandschaft vor und offenbart einen Augenöffner nach dem anderen in einem theatralischen Spiel zwischen Stein, Licht und Schatten (und manchmal auch spektakulär tief hängenden Wolken!).

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Die dramatische Aussicht am Powell Point direkt am Utah Scenic Byway 12.

Hinter dem kleinen Örtchen Escalante (übrigens die letzte nennenswerte Station um Benzin & Proviant aufzufüllen für die nächsten knapp 70 Meilen) offenbart sich mit dem Head of the Rocks-Overlook eine absolut gigantische Aussicht auf das, was man noch an Wegstrecke vor sich hat: eine herrliche Schlängel-Partie durch eine farbenfrohe Steppenlandschaft mit Schluchten und Bergen. Dort liegt auch der Calf Creek Canyon, der unsere Route ein ganzes Stück begleiten wird.

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Aus Drohnen-Sicht ist die Weitsicht am Head of the Rocks-Overlook noch unglaublicher, aber vom Boden sieht es auch schon genial aus.. 😉

So führt uns der Utah Scenic Byway 12 auch wenig später in den von rund abgeschliffenen Felsen dominierten Canyon, der mit seinem grünen Bewuchs, den roten Felsen und dem blauen Himmel einen herrlichen Kontrast liefert. Wer Zeit für eine Wanderung mitbringt, kann an dieser Stelle zu den Calf Creek Wasserfällen wandern. Das haben wir leider selbst noch nicht geschafft, eine gute Beschreibung findet ihr HIER.

Wer weiter fährt, merkt schnell, dass die grüne Idylle nicht lange bleibt und die Straße schnell wieder aus dem Tal Richtung Canyonrand klettert.

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Der wunderschöne Streckenabschnitt durch den Calf Creek Canyon.

Der entpuppt sich wenig später als schmaler Bergkamm zwischen zwei tiefen Schluchten. So blickt man zur linken Seite in den immensen Calf Creek Canyon und zur rechten öffnet sich die nächste tief ausgeschürfte Schlucht und viele weitere dahinter. Hinter jeder Kurve warten neue, spektakuläre Canyon-Panoramen, aus denen sich der Scenic Byway 12 behutsam herausarbeitet.

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Die wuchtige Aussicht auf den Calf Creek Canyon kurz vor Boulder.

Vor uns liegt nun das kleine Örtchen Boulder, welches wie eine unsichtbare Schwelle zwischen Canyon-Steppe und Gebirgslandschaft erscheint. Hat man die kleine Siedlung hinter sich gebracht, geht es ohne Umwege in die Berge, genauergesagt auf den Boulder Mountain. Die 3449 Meter hohe Erhebung übertrumpft die Zugspitze um fast 500 Höhenmeter. Wir kommen dem Gipfel auf dem Scenic Byway 12 erstaunlich nahe.

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Der Blick vom Boulder Mountain auf das Canyon-Labyrinth im Hintergrund.

Die Passstraße, die im Winter vermutlich nicht befahrbar ist, verläuft eine ganze Weile auf knapp 3000 Metern Höhe. In Deutschland sind in derartigen Lagen nur noch Extrem-Bergsteiger unterwegs. In Utah hingegen cruist man gemütlich über die breiten US-Straßen und genießt alle paar Kilometer neue fantastische Aussichten. Bergwelt im Vordergrund, leuchtendes Canyon-Labyrinth im Hintergrund. Unglaublich!

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Der langsame Abstieg vom Boulder Mountain mit diversen Gebirgsseen in der Ferne.

Am Ende des Tages kommen wir im kleinen Torrey an, welches mehr oder weniger direkt am Capitol Reef National Park liegt. Vor 3 Jahren haben wir an diese Fahretappe noch den kompletten Capitol Reef Scenic Byway (also die Utah State Route 24) bis nach Moab, Utah drangehangen. Letztes Jahr waren wir Gott sei Dank deutlich entspannter unterwegs. Torrey bietet sich mit mehreren Hotels und Restaurants als schön zentraler Zwischenstopp an, von dem man am nächsten Tag direkt wieder in den nahen National Park durchstarten kann. Die Übernachtungspreise sind nicht die günstigsten, aber Alternativen in der Umgebung sind rar gesäht…

Beim letzten Mal haben wir dank Hotels.com-Gratisübernachtung (siehe dazu die Hotel-Rubrik bei unserem großen 1×1 des Budget Reisens) im nicht ganz billigen Capitol Reef Resort übernachtet (günstiger geht’s im ebenfalls ganz brauchbaren DaysInn), welches direkt an der roten Felskante des Capitol Reef National Parks liegt. Eine unglaubliche Location um morgens aufzuwachen! Aber dazu berichten wir euch mehr im zweiten Teil, der uns über den Capitol Reef Scenic Byway bis kurz vor Moab führt und die genialen Eindrücke um weitere gigantische Landschaften ergänzt!

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Die Aussicht vom Capitol Reef Inn kurz vor Sonnenaufgang…

Hier geht’s weiter zu Part II, in dem wir unser Hauptaugenmerk auf den Capitol Reef Scenic Byway (Utah State Route 24) legen.

Bereits vor einiger Zeit haben wir über eine andere recht unbekannte Traumstraße berichtet: Hinterland statt Pazifikküste – Die Reize des Highway 395 in Kalifornien

  1. […] Hier gelangt ihr zu Die schönsten Straßen im Südwesten? – Utah Scenic Byway 12 / 24 – Part I. […]

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