Die Eurowings-Experience – oder wie wir nochmal Air Berlin fliegen durften!

Eurowings buchen und dann keinen Fuß in eine Eurowings-Maschine setzen können…

Wir haben für unseren Barcelona-Trip erstmals beim deutschen Billigflieger-Giganten gebucht und waren schon sehr gespannt, wie sehr sich das Produkt von den Low-Budget-Profis Ryanair und Easyjet unterscheidet. Aber der Trip Report wurde zunichte gemacht, da wir bei unseren Flügen nicht eine einzige Eurowings-Maschine betreten haben…

Um Ryanair, Easyjet und Norwegian auf Augenhöhe zu begegnen, musste sich der Lufthansa-Konzern im letzten Jahrzehnt etwas überlegen. Was mit Germanwings begann, wurde mit Eurowings im Jahr 2015 endgültig in Stellung gebracht und spätestens als Air Berlin pleite ging, war der Weg für das neue Konstrukt auf dem deutschen Luftfahrtmarkt frei.

Das ist wichtig, um zu verstehen, wie es zu unserer Flug-Experience kommen kann. Denn seit Air Berlin vom deutschen Luftfahrtmarkt verschwunden ist, ist ein riesiges Vakuum entstanden, welches Fluggesellschaften nun zu füllen versuchen. Von jetzt auf gleich fehlten wichtige Flugverbindungen und innerhalb weniger Wochen wechselten zig Flugzeuge ihren Besitzer. Die Lücke von Air Berlin zu füllen war eine unvorstellbare Mammutaufgabe für alle beteiligten Airlines, also vor allem Eurowings, Easyjet und Laudamotion (bzw. Ryanair). Dieser Prozess dauert noch immer an, was sich u.a. im diesjährigen Chaos-Sommer an vielen deutschen Flughäfen äußerte, Airlines mieteten sich jedes verfügbare Flugzeug zusätzlich an, die ganze Branche ist in Bewegung.

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Air Berlin, TUI oder Eurowings?

Und so kommt es, dass wir mit unserer Eurowings-Buchung am Köln-Bonn-Airport schließlich vor einer Air Berlin-Boeing 737-800 standen. Diesen Flugzeugtyp hatte Air Berlin eigentlich schon im Jahr 2016 ausgemustert, übernommen wurden die Flugzeuge damals von TUI. Die Air Berlin-Lackierung blieb, weswegen man praktischerweise immer mal wieder die Jets an die Airline verleihen konnte, wenn Not am Mann war. Gute zwei Jahre später ist die Lackierung immer noch dran. Dafür kann es keinen Grund außer Kosteneinsparung geben. Der Jet fliegt immer noch für TUI, aber der Tourismus-Riese hilft mit den Flugzeugen offensichtlich vor allem bei Eurowings aus…so auch heute. Wir fliegen also mit unserer Eurowings-Buchung mit einer TUI-Maschine mit Air Berlin-Lackierung nach Barcelona.

In einem Aerotelegraph-Interview mit dem Tuifly-Chef Oliver Lackmann erklärt dieser, dass die Air-Berlin-Lackierung im Laufe der kommenden Monate umlackiert werden sollen. Die Zusammenarbeit mit Eurowings ist bis 2021 vertraglich abgesichert, was danach passiert, „wird sich in den kommenden Monaten zeigen“, so der Tuifly-Chef.

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Das dieser Einsatz keine Seltenheit ist, zeigt sich am Innenraum, der komplett auf Eurowings gemünzt ist. Keine Spur von TUI oder Air Berlin weit und breit, nur das Winglet erinnert aus dem Innenraum an die insolvent gegangene deutsche Airline. Das Produkt im Flugzeug stimmt also, die Außenlackierung irritiert trotzdem gewaltig. Der Service unterscheidet sich kaum von anderen Billiganbietern, die Flugbegleiter wirken etwas professioneller und routinierter als die oft blutjungen Ryanair-Kollegen.

Vorsicht bei der Sitzplatz-Wahl

Bei unserem Trip nach Barcelona waren wir zu viert unterwegs. Wir hatten unsere Sitzplätze reserviert, unsere beiden Freunde wollten sich die 8 Euro/Kopf sparen. Beim Hinflug hatte das alles auch reibungslos funktioniert. Beim Online-Check-In konnten wir aus den verbleibenden Sitzplätzen wählen und alles war gut.

Beim Rückflug waren dann beim Online-Check-In am Vorabend des Fluges keine kostenlosen Sitzplätze mehr verfügbar. Lediglich die besonders teuren More-Legroom-Sitze für 18 Euro/Person waren noch buchbar.

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Eine kurze Internet-Recherche ergab, dass diese Situation keine Ausnahme bei Eurowings ist, sondern desöfteren vorzukommen scheint. Im Facebook-Chat wurde uns aber immerhin schnell und freundlich geholfen. Früh am Schalter sein war also die Ansage!

Am nächsten Tag waren dann auch die teuren Sitze nicht mehr buchbar, weswegen sich der Plan eines vorgezogenen Airport-Trips verfestigte. Kurz bevor es dann losgehen sollte, erlaubte die Online-Maske von jetzt auf gleich wieder die kostenlose Sitzplatzreservierung für unsere Mitreisenden. Computer-Panne oder bewusste Taktik, um verunsicherte Passagiere zum Kauf der teuren Plätze zu bewegen? Wir wissen es nicht…

Überbuchter Rückflug mit Germanwings

Wer glaubt, dass wir beim Rückflug dann in den Genuss einer Eurowings-Maschine kommen würden, täuscht sich gewaltig. Am Barcelona Airport wartete ein Germanwings-Airbus aus dem Jahr 1991 (!) auf uns.

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In selbigem ging das Sitzplatz-Chaos dann erst so richtig los. Nicht nur der Sitzplatz unseres Freundes war doppelt vergeben, sondern in der ganze Maschine standen zahlreiche Passagiere, deren Plätze offensichtlich schon belegt waren. Die Flugbegleiter hatte alle Hände voll zu tun, alle Fluggäste im Flugzeug unterzubringen. Trotz der chaotischen Situation blieb die Crew aber vorbildlich freundlich und wirkte professionell. Das haben wir bei Ryanair auch schon anders erlebt…

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Am Ende war für alle Passagiere noch ein Platz da und der Airbus konnte mit leichter Verspätung in Barcelona starten. Die Beinfreiheit war diesmal gefühlt schlechter als in der Air Berlin-737 vom Hinflug.

Da Eurowings zum LH-Konzern gehört, kann man immerhin Meilen sammeln. In der günstigsten Buchungs-Klasse sind das für den Flug CGN-BCN 184 Miles&More-Meilen und für den Rückflug nur noch 140. Für beide Flüge gab aber zudem 500 Statusmeilen.

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Eine Eurowings-Buchung ist zur Zeit noch ein zweischneidiges Schwert, da es oft kaum zu planen ist, in welchem Flugzeug man letztendlich sitzt. Dabei geht es nicht nur um den Typ, sondern eben tatsächlich um die Fluggesellschaft. Wer Eurowings bucht, will eben eigentlich nicht in einer Air Berlin-Boeing Platz nehmen. Flugbegleiter, Flughafenpersonal und auch der Support im Chat waren nett, schnell und professionell. Das Buchungs-System hingegen offenbarte vor allem beim Online-Check-In und der Sitzplatzauswahl heftige Aussetzer, die zu chaotischen Szenen an Bord unseres Rückfluges führten.

Eurowings reiht sich preislich über Ryanair und Easyjet ein, liefert für den Mehrpreis aber nicht unbedingt das bessere Flugerlebnis. Die Erfahrung kann stark je nach eingesetzter Maschine variieren, während die Low-Cost-Konkurrenz weitgehend in Einheitsflotten unterwegs ist, die zudem noch extrem jung sind. Auch wenn das Alter eines 27 Jahre alten Germanwings-Airbus bei guter Wartung kein Problem darstellt, macht eine gefühlt Fabrik-neue Ryanair-Boeing dann doch einen anderen Eindruck. 

Empfehlen würden wir euch in jedem Fall eine Sitzplatz-Reservierung, die für deutlich weniger Stress beim Online-Check-In sorgt und mit einem Aufpreis von 8 Euro/Person noch halbwegs moderat ausfällt. 

Würden wir uns wieder für Eurowings entscheiden? Wenn Flugzeiten und Preise passen auf jeden Fall, gegenüber Ryanair & Co vorziehen würden wir den LH-Billigflieger aber nicht, dazu ist das Gebotene nicht nennenswert besser bzw. stellenweise sogar schlechter. Immerhin konnten wir so auch mal mit Air Berlin fliegen. Ist ja auch was… 😉


Seid ihr schonmal mit Eurowings geflogen? Was waren eure Erfahrungen?

 

 

 

  1. Das ist ja unterste Schubladen von Eurowings! Ich war beim Lesen ziemlich erstaunt, weil ich bisher nur gute Erfahrungen mit der Airline gemacht habe. Mehrmals pro Jahr fliege ich von Berlin nach Zagreb und es hat immer alles reibungslos geklappt. Auch das eine Mal, wo statt Eurowings Czech Airlines geflogen ist. Anscheinend sieht es bei anderen Verbindungen anders aus.

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    1. Hi Annika, danke für dein Feedback! Ich denke, das ist gerade extrem davon abhängig, welches Fluggerät bzw. welche Airline gerade mal wieder aushilft. Durch verschiedene Maschinen mit unterschiedlichen Kapazitäten und Sitzplätzen kann da wohl schnell mal Chaos entstehen. Service-technisch gab es aber wirklich keinen Grund zur Klage, sowohl im Chat als auch im Flieger…die haben das Sitzplatzchaos ziemlich geduldig und souverän gehändelt.

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  2. Kommt mir bekannt vor:Eurowings gebucht, ich glaube, es ging nach Mallorca oder Fuerteventura. Hinflug auch tatsächlich mit Eurowings, aber retour wurde der Eurowings-Flug durchgeführt von einer Tui-Fly-Crew in einer Air Berlin-Maschine. Kommentar des gutgelaunten Stewards: für diesen Museums-Flug müssten Sie eigentlich mehr bezahlen. Da es sonst keine Probleme gab waren alle eher amüsiert und schwelgten in Air Berlin – Erinnerungen. Ich mochte Air Berlin und vermisse die Airline. Mit Eurowings bin ich noch nicht warm geworden und Ryanair habe ich bisher immer vermieden. Ich fürchte aber, in Zukunft führt da kein Weg mehr dran vorbei, vor allem,wenn Germania tatsächlich pleite gehen sollte.

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    1. Vielen Dank für’s Feedback!
      Ja, Ryanair macht das, was Eurowings will in meinen Augen deutlich effektiver. Dann natürlich ohne jeden Service-Gedanken und allgemein recht skrupellos. Wobei man leider auch bei Eurowings nicht nur gutes hört, was die Arbeitsbedingungen und Bezahlung angeht. Ich würde mir ja nach wie vor eine Airline wünschen, die mal bewusst den anderen Weg geht…mehr Service, mehr Beinfreiheit und gute Arbeitsbedingungen. Bin überzeugt, dass sowas mit gutem Marketing funktionieren würde.

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  3. Echt die reinste Horror-Story. Leider liest man immer wieder von so schlechten Erfahrungen. Ich bin schon oft mit Eurowings geflogen und zum Glück hat immer alles gepasst. Die Stewardessen war auch immer allesamt freundlich und auch sonst hat alles reibungslos funktioniert. Nicht mal ne Verspätung gab es. Ich hoffe, dass jeder, der künftig mit Eurowings fliegt, auch nur gute Erfahrungen macht.

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    1. Danke für dein Feedback! 🙂
      Ja, ist doch cool, dass deine Erfahrungen gepasst haben. Zeigt ja auch, dass sie es irgendwie können 😉 Ich finde auch, dass Fehler überall passieren können…mit Freundlichkeit lässt sich vieles noch ausbügeln und das hat in unserem Fall noch einigermaßen geklappt. Also war nicht unser angenehmstes Flugerlebnis, aber auch nicht der reinste Horror 🙂

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  4. Ich bin mit Eurowings bislang nur Kurzstrecken geflogen und da klappte immer alles reibungslos. Das Online-Check-In hat stets funktioniert und ich konnte immer einen Sitzplatz meiner Wahl ergattern. Demnächst steht aber ein Langstreckenflug mit Eurowings an. Solange dieser so angenehm ist wie meine bisherigen Kurzstreckenflüge mit Eurowings, kann die Flugreise gar nicht schlimm werden. Aber mal schauen 😉

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