Das war unser erster Business Class-Flug – Mit LATAM von Madrid nach Frankfurt

Seit Jahren spinnt vor allem Dustin mit der Idee herum, endlich mal im vorderen Teil des Flugzeugs zu reisen, wo man sich nicht die Knie am Vordersitz wundstößt. Drei Jahre hat es ungefähr gedauert, bis diese fixe Idee nun tatsächlich Realität wurde. Wie langjährige Ryanair-Passagiere sich plötzlich in der Langstrecken-Business-Class von LATAM Airlines fühlen, erfahrt ihr hier.

Anfang Februar waren wir bereits ganz aus dem Häuschen, als wir hier berichten konnten, dass wir Business Class-Flüge für nur 79 Euro gebucht hatten. Dabei handelte es sich um zwei Flugtickets von Madrid nach Frankfurt (die es übrigens immer wieder mal zu dem Preis gibt). An der spanischen Hauptstadt waren wir eigentlich nie so extrem interessiert und auch über den Hinflug hatten wir uns keinerlei Gedanken gemacht. Alles was wir wussten: am 13. Mai mussten wir am frühen Nachmittag internationalen Flughafen von Madrid sein, um eine Boeing 787-9 der südamerikanischen Airline LATAM zu boarden.

Keine Angst, Madrid haben wir uns natürlich auch angeschaut und sind sogar ein verlängertes Wochenende geblieben. Dazu aber an anderer Stelle mehr, denn heute soll es um unsere erste Business Class-Erfahrung gehen.

Vorgeplänkel: Das leidige Essensthema (vegetarisch)

Mit Condor hatten wir ja vergangenes Jahr schon großen Spaß, als man uns eröffnete, dass ein vegetarisches Bordmenü leider 18 Euro pro Person pro Flug kosten würde. Bei Eurowings und Lufthansa hat dieses Jahr hingegen alles bis auf einige Kommunikations-Schwierigkeiten zwischen Konzernmutter und Billig-Ableger gut geklappt.

LATAM Mail

Bei LATAM sagte man uns beim Support, dass man bei Flügen unter 3,5 Stunden lediglich einen Snack serviere und kein vegetarisches Menü anbieten könnte. Die Maschine kommt eigentlich aus Santiago de Chile und legt in Madrid nur einen kurzen Zwischenstopp ein, bevor es nach Frankfurt weitergeht. Für den zweiten Abschnitt spart man offensichtlich am Meal-Service, obwohl auch Langstrecken-Passagiere aus Chile an Bord sind. Man vermerkte unseren Wunsch dennoch in unserer Buchung, könne aber nichts versprechen. Nun gut…

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Am internationalen Flughafen von Madrid angekommen, versuchten wir es auch nochmal beim Service-Schalter von LATAM. Auch dort bekamen wir zu hören, dass man bei Flugzeiten unter 3,5 Stunden keine Auswahl anbieten könne und es vermutlich nur die Wahl zwischen einem Sandwich und einem Kuchen gebe. Wir beließen es dann dabei und gingen in Richtung Lounge.

Zufrieden mit dem Support waren wir an dieser Stelle trotzdem nicht. Auch wenn es lediglich ein Zwei-Stunden-Flug ist, muss man das Produkt dennoch in Relation setzen. Wer als Vegetarier mit LATAM von Santiago de Chile über Madrid nach Frankfurt fliegt, bezahlt für sein Ticket viele tausend Euro. Für einen solchen Preis auf einer Teiletappe keine vegetarische Option im Petto zu haben, ist dann schon eine heftige Hausnummer. Das Produkt, welches wir heute fliegen, ist keine Ryanair-Economy sondern eine Premium-Business-Class, die viele Kunden teuer bezahlen (auch wenn wir zum Schnäppchen-Preis unterwegs sind ;)).


Iberia Lounge Madrid

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Zum Business Class-Ticket gehört auch die Business-Lounge, durch welche sich das Reise-Erlebnis schon vor dem eigentlichen Flug deutlich von allen anderen abheben soll. Da LATAM aufgrund der Santiago-Madrid-Frankfurt-Route am Non-Schengen-Terminal 4S andockt, ist in Madrid erst einmal eine Zugfahrt und eine zusätzliche Pass-Kontrolle notwendig, bevor man endlich an Ort und Stelle ist. Hierfür sollte man ruhig eine zusätzliche halbe Stunde einkalkulieren, denn das beeindruckende Terminal 4 am Aeropuerto Adolfo Suárez Madrid-Barajas und der Satellit im Flughafen-Vorfeld ist gigantisch groß und extrem weitläufig.

Hat man endlich das Satelliten-Terminal 4S erreicht, versteckt sich der Eingang zur Iberia-Lounge im riesigen Duty-Free-Shop auf der linken Seite, die man als LATAM-Business-Passagier mitnutzen darf.

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Die automatischen Türen schwenken auf und in einem kleinen, abgeschirmten Lobby-Bereich werden von zwei freundlichen Mitarbeitern die Tickets gescannt. Und dann liegt die Lounge vor uns wie eine unwirkliche Parallelwelt. Im Falle der Iberia-Lounge ist das Produkt nicht übermäßig luxuriös, aber der Unterschied zum wuseligen Flughafen-Chaos ist kaum in Worte zu fassen. Ein paar Schritte durch diese Türen und Tempo, Lautstärke und Chaos werden aus der Reise-Gleichung rausgenommen und man kann einfach nur vollkommen entspannt auf den kommenden Flug warten.

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Es versteht sich von selbst, dass Essen und Trinken, was in Büffet-Form angeboten wird, komplett kostenlos ist. Auch an der Bar kann man sich vollkommen umsonst mit Drinks aller Art verwöhnen lassen. Dazu stehen überall Rundum-Sorglos-Kaffeemaschinen, die jede Heißgetränk-Variation im petto haben. Es gibt Lounge-Sessel, normale Sitzgruppen, Couches, ebenso wie abgetrennte Relaxbereiche und sogar Duschen. Wer auf einen Abendflug wartet, kann gar in einem angeschlossenen Restaurant essen….auch das kostenlos. Es ist vollkommen unglaublich.


Das Büffet-Angebot an sich ist zur Zeit unserer Lounge-Ankunft (genau zwischen Frühstück und Lunch) nicht sonderlich üppig, kurz vor unserem Abflug wird allerdings eine nette Auswahl an warmen Speisen für den Mittagstisch aufgetischt. Von Pesto-Nudeln über Gemüse bis hin zu Sushi ist für jeden Geschmack etwas dabei. Was Auswahl, Qualität und die Aufmerksamkeit des Personals (hinsichtlich auffüllen und säubern) angeht, gibt es aber definitiv auch noch Spielraum nach oben.

Nachdem wir dennoch angenehm gesättigt und erstaunlich entspannt sind, geht es für uns langsam Richtung Boarding. Sobald wir die Lounge verlassen sind wir wieder mittendrin im Airport-Chaos, hektische Menschen überall, Warteschlangen, Lärm.

 


Boarding

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Auch bei LATAM werden Business-Kunden zuerst geboardet. Da wir etwas spät am Gate sind, hat das Economy-Boarding aber bereits begonnen. Wir schlüpfen noch am Business-Counter durch und müssen dann trotzdem Schlange stehen. An der Brücke zur Business Class werden wir mit dem restlichen Economy-Strom vorbeigewunken. Erst als es zu spät ist, verstehen wir, dass das unser deutlich kürzerer und entspannterer Weg gewesen wäre.

Naja, kein Akt…ein bisschen Schlange stehen überleben wir jetzt auch noch, schließlich können wir uns gleich im Flieger ja entspannt lang machen…

Generell kann man aber sagen, dass man nicht oft genug mit seinem Business-Ticket herumwedeln kann, damit man auch wirklich die Vorteile der Klasse nutzen kann. Teilweise hatten wir das Gefühl, dass uns gar nicht zugetraut wurde, dass wir überhaupt zu den Business Class-Kunden gehören könnten.



On Board

 

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Während der große Strom der Fluggäste hinter der Brücke nach rechts geleitet wird, dürfen wir nach links in eine großzügig bestuhlte Kabine mit insgesamt fünf Reihen in einer 2-2-2-Bestuhlung. Bei Alleinreisenden ist dieses Layout nicht unbedingt beliebt, weil man immer einen Nebenmann und damit eher wenig Privatsphäre hat (ein kleines Trenn-Element zwischen den Sitzen lässt sich auf Wunsch hochfahren). Wer wie wir zusammen reist, hat mit dem 2er-Sitz aber natürlich kein Problem.

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Wir brauchen eine ganze Weile, bis wir uns an den unglaublichen Platz gewöhnt haben, der uns hier wie selbstverständlich zur Verfügung steht. Wir können schon in der Ausgangsposition beide mit ausgestreckten Beinen sitzen. Der Sitzabstand beträgt in der LATAM Business Class 75 Zoll. Umgerechnet sind das 1,905 Meter! Ridiculous!

20190513_160033Aber das beschreibt auch ganz gut, wie sich das gesamte Erlebnis darstellt. Gleich zu Beginn werden wir sehr freundlich von einem Flugbegleiter begrüßt und nach unserem Wunsch für den Welcome Drink gefragt, wenig später bekommen wir Champagner und ein Nuss-Schälchen gebracht. Ein Amenity-Kit gibt es für die kurze Strecke nicht, ein vernünftiger Kopfhörer liegt an jedem Platz bereit.

Es vergeht eine ganze Weile, bis das Boarding abgeschlossen ist, aber wir langweilen uns nicht eine Minute und erforschen jeden Zentimeter des Sitzes. Die kleinen Staufächer, die Steckdosen, die Fernbedienung für das Entertainment-System, die USB-Steckplätze, die Leselampe… Als die geräumige Boeing 787-9 sich schließlich in Bewegung setzt, haben wir gleich drei große Fenster an unserem Platz, durch welche wir das Prozedere verfolgen können…und wer das nicht will, kann sie elektronisch verdunkeln. Der moderne Dreamliner bietet ein ungewöhnlich ruhiges Flugerlebnis, selbst den Start nimmt man kaum wahr.

Nicht nur der Platz ist für Economy-Passagiere ungewöhnlich, auch die Einstellmöglichkeiten des Sitzes wirken wie nicht von dieser Welt. Aus den sogenannten Lie-Flat-Sitzen kann man – wie der Name schon sagt – mit einem Tastendruck ein flaches Bett machen. Auf der Strecke Madrid-Frankfurt ist das natürlich eigentlich nicht nötig, aber wir probieren es natürlich trotzdem aus. Der Sitz bietet komplett flach genug Raum, um bequem zu liegen. Wer groß ist und komplett ausgestreckt liegen möchte, kommt im Kopfraum vermutlich an seine Grenzen. Klassische Seitenschläfer sollten aufgrund der ebenfalls sehr angenehmen Sitzbreite gar keine Probleme haben. Wie unglaublich muss es sein, hier auf Langstrecke einfach den halben Flug zu verschlafen und erholt und ausgeschlafen am Zielort anzukommen? Aber auch für einen kurzen Flug lässt sich der Sitz nach allen Wünschen einstellen, sogar eine leichte Massagefunktion ist verbaut.

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Auch der aus der Armlehne ausklappbare Tisch überzeugt mit einer großen, stabilen Fläche, die man auf Wunsch zur Seite drehen kann, wenn man beispielsweise während dem Arbeiten oder dem Essen mal aufstehen muss.

 


Zur Mitte des Fluges rollen die LATAM-Flugbegleiter den Essens-Trolley in den Gang und wir sind gespannt, was es nun letztendlich für uns geben wird. Leider werden wir enttäuscht. Man klappt uns den großzügigen Tisch aus und serviert uns dann wie allen anderen ein kaltes Fleischgericht, dazu ein Gebäck unserer Wahl, sowie einen extremst schokoladigen Schokokuchen. Auch auf Nachfrage bei den Flugbegleitern kann man uns keine vegetarische Alternative anbieten.

Im Nachhinein erkundigen wir uns auch nochmal via Twitter bei der Airline und bekommen versichert: bei Flugstrecken unter 3,5 Stunden Flugdauer gibt es keine Wahlmöglichkeit für Vegetarier. Das trifft natürlich nicht nur uns, sondern auch alle Veganer, alle Menschen, die aus religiösen Gründen kein Fleisch essen, Menschen mit Gluten-Unverträglichkeit etc. Die Liste ist lang und die nicht vorhandene Flexibilität für ein Business Class-Produkt definitiv ein dicker Minuspunkt. Völlig unnötig!

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Enttäuschend: LATAM schafft es nicht, in der Business Class trotz mehrerer Anfragen ein vegetarisches Menü zu servieren.

Das Entertainment-System reagiert gut auf Eingaben (sowohl Touchscreen als auch via Fernbedienung), die Filmauswahl haben wir schon besser gesehen, eine deutsche Option ist leider nicht vorhanden. Kein Problem auf einem kurzen 2-Stunden-Flug, wer die Business Class auf Langstrecke bucht und Probleme mit Filmen im O-Ton hat, hat hier wenig Spaß mit dem Entertainment-System. Auch das bekommen andere Airlines besser hin.

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Die Auswahl beim In Flight Entertainment ist okay, aber lässt durchaus Spielraum nach oben.

Nach der Mahlzeit, von der wir nicht allzu viel hatten, gibt es schließlich nochmal einen klassischen Absacker. Tamy kriegt Baileys auf Eis, Dustin lässt sich einen Scotch andrehen. Der Flugbegleiter öffnet die Flasche fachmännisch und gießt ein…und gießt…und gießt…und gießt. Am Ende steht ein fast halbvolles Whiskey-Glas auf der Mittelablage… Whiskey wird bei LATAM wohl nicht so oft ausgeschenkt… 😀

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Beim Scotch hat der LATAM-Flugbegleiter es etwas zu gut gemeint.

Der Landeanflug auf Frankfurt geht ohne besondere Vorkommnisse vonstatten, der Dreamliner fühlt sich auch in dieser Flugphase extrem angenehm an. Vielleicht liegt es aber auch einfach am unglaublich angenehmen Sitzerlebnis, welches einfach überhaupt nichts mit der klaustrophobischen Enge einer Economy Class zu tun hat.

 


Fazit

 

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Die LATAM-Business Class in der Boeing 787-9 ist ein Erlebnis, das wir jedem vor allem für einen solchen Preis, wie wir ihn bezahlt haben, uneingeschränkt empfehlen können. Ein solches Produkt für 79 Euro fliegen zu können ist definitiv der Wahnsinn, im Endeffekt haben wir für unseren Madrid-Rückflug nur rund 30 Euro mehr bezahlt als für einen klassischen Ryanair-Flug und konnten dafür eine ganze Reihe unglaublicher Vorteile genießen.

Unsere Kritikpunkte fallen bei einem 2-Stunden-Flug kaum ins Gewicht, auch wenn uns die fehlende vegetarische Option wirklich enttäuscht hat. Das ist im Jahr 2019 absolut nicht mehr zeitgemäß! Wer in der LATAM-Business Class auf Langstrecke unterwegs ist und dafür richtig viel Geld bezahlt, dürfte die vereinzelten Negativ-Punkte aber unter Umständen nochmal ganz anders wahrnehmen. 

Nun interessieren wir uns aber auch für eure Business Class-Erlebnisse! Seid ihr schonmal Business geflogen? Vielleicht sogar mit LATAM? Welche Business Class hat euch am meisten beeindruckt?

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