Schade! Eurowings verabschiedet sich von der Langstrecke! – Ein Hinweis auf die Condor-Übernahme durch LH?

Es ist noch kein halbes Jahr her, dass uns ein Eurowings-A340 sicher wieder von Las Vegas nach Deutschland gebracht hat. Nun berichten mehrere Medien übereinstimmend, dass der Mutterkonzern Lufthansa seine Billig-Tochter komplett von der Langstrecke abziehen will, um Raum für eine neue Airline zu machen. Codename: „Edelwings“!

Das alles klingt so ein bisschen wie ein schlechter Scherz, scheint aber tatsächlich Realität zu sein. Die WirtschaftsWoche berichtete am Freitag, den 29. November 2019 als erste über die neuen Pläne. Das es bei Eurowings kriselt und die Langstrecke wenig rentabel operiert, ist schon seit mehreren Monaten klar. Die Rede ist von einem „Minus von bis zu 20 Millionen Euro pro Jahr“, so der WiWo-Artikel.

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So können sich Langstrecken-Flüge nicht rechnen: Unser Eurowings A340-Flug von Las Vegas nach Düsseldorf.

Bei unserem Las Vegas-Heimflug bekamen wir das deutlich zu spüren, reisten wir doch in einer fast leeren Maschine, die mit nur ein paar Dutzend Fluggästen 10 Stunden über den Atlantik jettete. Im dazugehörigen Tripreport schrieben wir:

„Nach zahlreichen Umstrukturierungen wird der Winterflugplan 2019/20 erstmals von der Konzernmutter Lufthansa gemanagt, die die Billigtochter erstmals auch nach Frankfurt holt, auch das Angebot ab München wird ausgebaut. Nachdem die Eurowings-Langstrecke im November 2015 in Köln startete, zog man Anfangs 2018 nach Düsseldorf um und nahm wenig später München mit ins Boot. Seit August 2019 ist klar, dass man sich zukünftig auf Frankfurt und München konzentrieren will, auch wenn man betont, dass Düsseldorf als Langstrecken-Basis erhalten bleibt. Ob das wirklich langfristig so bleibt, darf bezweifelt werden. So sind die Flüge von Düsseldorf nach Las Vegas auch nur noch im Winterflugplan buchbar (bei der Auslastung aber auch kein Wunder).“

Nun scheint klar zu sein, dass Eurowings ab dem Sommerflugplan 2020 nicht nur seine Langstrecken-Aktivitäten von Düsseldorf einstellt, sondern scheinbar die komplette Operation unter dem Namen. Der seltsam-unstrukturierte Standort-Poker von Köln nach Düsseldorf und dann nach München und Frankfurt mit verschiedenen ausführende Crews (Brussels Airlines, Sunexpress) addierten sich zu zahlreichen Pünktlichkeits- und Zuverlässigkeits-Debakeln bei der in die Jahre gekommenen Flotte aus gebrauchten Airbus A330 und A340.

Die Kurz- und Mittelstrecken-Angebote von Eurowings bleiben von dieser Maßnahme unberührt und laufen weiter wie gewohnt, da man hier nach der komplizierten Air Berlin-Übernahme mittlerweile auch Geld verdient.

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Das Vorbild für die neue Lufthansa-Marke: Edelweiss Air aus der Schweiz (Foto: Tomás Del Coro ; https://flic.kr/p/pixb1D [Creative Commons-Lizenz])

Um den Verlust aufzufangen, plant man bei Lufthansa laut der Wirtschaftswoche eine neue Marke und will sich dabei an der Swiss-Schwester Edelweiss Air orientieren, die von der Schweiz aus recht erfolgreich diverse Tourismus-Destinationen bedient. Das erklärt auch den internen Codenamen des Projekts: „Edelwings“.

Bei Edelweiss setzt man deutlich weniger auf den Billigflieger-Faktor als Eurowings, was laut der Wirtschaftswoche auch das erklärte Ziel des neuen Lufthansa-Projekts ist: Ferienflieger ja, aber nicht Billigflieger.


Unsere Eurowings-Erfahrungen:

> Die Eurowings-Experience – oder wie wir nochmal Air Berlin fliegen durften! <<

>> Lufthansa vs. Eurowings – Mit 5-Sterne-Airline und Billigflieger auf Langstrecke <<

>> More Legroom/More Comfort auf Eurowings Langstrecken – Die günstige Premium Economy-Alternative? <<

 


 

Wir finden das Einstampfen der Eurowings-Langstrecke persönlich sehr schade, weil wir dieses Jahr zwei sehr angenehme Flüge mit den von Brussels Airlines betriebenen A340 der Airline hatten. Bei unserem Florida-Trip war die Billig-Tochter kaum schlechter als der Lufthansa-Rückflug und auch der Las Vegas-Rückflug ist uns positiv im Gedächtnis geblieben. Die Eurowings-Crews waren freundlich, die Flieger waren bei uns immer pünktlich, dass Bordprodukt war keineswegs schlechter als bei den großen Carriern. Wir wären definitiv nochmal in einen Eurowings-Airbus eingestiegen, aber das wird jetzt wohl nichts mehr…

Angesichts der momentanen Situation auf dem europäischen Airline-Markt sind das dennoch extrem spannende News, denn die Lufthansa ist nicht die einzige Airline, die einen Player auf dem Langstrecken-Tourismus-Markt platzieren will. Deutscher Platzhirsch ist hier zweifellos Condor, die aber seit der Thomas Cook-Pleite gehörig ins Straucheln gekommen ist und derzeit von einem 380-Millionen-Euro-Überbrückungskredit über Wasser gehalten wird. Man kann nur darüber spekulieren, ob das Einstampfen der Eurowings-Langstrecke Teil einer größeren Strategie ist, um die Condor-Langstrecke zu übernehmen, wie bereits mehrfach in der Gerüchteküche gemunkelt wurde. Die Destinationen waren zuletzt bei beiden Airlines auffällig ähnlich und bereits 2017 zelebrierte die Kranich-Airline bei der Air Berlin-Pleite einen abgekarteten Übernahme-Poker, der sich gewaschen hatte und von vielen Seiten sehr kritisch bewertet wurde. Da man aus Kartell-rechtlichen Gründen auf keinen Fall die gesamte Condor übernehmen dürfte (ähnlich wie bei Air Berlin damals), wäre eine Aufspaltung der Kult-Airline in Kurz-/Mittel- und Langstrecke durchaus denkbar. Was läge näher, als die kriselnde Eurowings und die eigentlich rentable Condor-Langstrecke zu einer neuen Tourismus-Marke zu verschmelzen und mit neuem Branding so richtig durchzustarten?

Das ist natürlich alles Spekulation! Interessant ist übrigens auch, dass auch der Tui-Konzern ab November nächsten Jahres auf die touristische Langstrecke ab Deutschland gehen will. Im Gegensatz zur Uralt-Flotte der Condor und den ebenfalls nicht mehr ganz taufrischen Airbus A330 der Eurowings, fliegt das größte Touristikunternehmen Europas mit fabrikneuen Boeing 787 Dreamlinern durch die Gegend. Aus Belgien, den Niederlanden und Großbritannien sind derartige Tui-Verbindungen bereits seit Jahren erfolgreich, der deutsche Markt ist da nur der nächste logische Schritt. Damit steht ein attraktiver und schlagkräftiger Konkurrent in den Startlöchern, dem man zuvorkommen möchte und gegen den Einzelkämpfer wie Condor definitiv den kürzeren ziehen könnten. Das Langstrecken-Produkt der Traditions-Airline hatte uns schon letztes Jahr extrem enttäuscht

Für den Endkunden bleibt es auf dem hart umkämpften Tourismus-Markt also spannend. Was erwartet uns bei der neuen Lufthansa-Marke oder ist sie tatsächlich Teil eines Übernahme-Pokers für die Condor-Langstrecke? 2020 wissen wir mehr!

Wie seht ihr die Entwicklung? Hattet ihr – wie wir – gute Erfahrungen mit der Eurowings-Langstrecke, oder gehört ihr zu den vielen Passagieren, die mit heftigen Verspätungsproblemen bei der Lufthansa-Tochter zu kämpfen hatten?

 

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