Shafer Trail & Potash Road – Unsere härteste Dirt-Road-Erfahrung im Canyonlands National Park

Der Shafer Trail und die Potash Road im Canyonlands Nationalpark gehören einfach zusammen und sind die wahrscheinlich berühmt-berüchtigste Dirt-Road-Kombo bei den Mainstream-Dirt-Road-Touristen. Der Shafer Trail führt in aberwitzigen Serpentinen an bis zu 300 Meter hohen Klippen hinab ins undurchsichtige Labyrinth des Canyonlands National Park und windet sich anschließend in Form der Potash Road über Felsstufen und durch ausgetrocknete Flussbetten am Colorado River entlang bis ins Wild West-Paradies Moab

Wie bei keiner anderen der hier vorgestellten Strecken, ist es beim Shafer Trail und noch mehr der Potash Road wichtig, im Vorhinein die Road Conditions auf der offiziellen Website zu checken. Das nahe Visitor Center am Dirt-Road-Startpunkt macht es einfach, auch nochmal das Fachpersonal der Canyonlands zu befragen. Keine Diskussion sollte es bei dieser Strecke bei der Bodenfreiheit und dem Allradantrieb geben. Beides kann und wird euch hier den Arsch retten, vor allem die Potash Road ist keine Strecke für Fahrzeuge mit niedriger Bodenfreiheit. Ganz im Ernst: Don’t do it!

Wie bei so ziemlich allen Dirt Roads ist es auch hier wichtig, dass es die letzten Tage vor eurer Etappe nicht geregnet hat und auch für den eigentlichen Dirt-Road-Tag kein Regen in der Umgebung gemeldet ist. Gerade die Flussbetten, die ihr bei der Potash Road durchquert und die auch schon im trockenen Zustand eine Herausforderung darstellen können, sind bei widrigen Witterungsbedingungen unpassierbar.

Der Shafer Trail startet innerhalb des Canyonlands National Parks (Island in the Sky-Distrikt), was bedeutet, dass ihr entweder den Eintritt per Vehicle bezahlt habt, oder den äußerst empfehlenswerten Annual Pass am Start hattet. Etwa einen Kilometer vor dem Island in the Sky-Visitor Center zweigt die Zufahrt zum Shafer Trail ab, um die Road Conditions zu checken, lohnt es sich den kleinen Umweg am Visitor Center vorbei zu nehmen, falls ihr nicht sowieso vor der Abfahrt einen Ausflug in den Park machen wollt (es lohnt sich!).

Die Strecke ist ungefähr 20 Meilen lang, ihr solltet jedoch mindestens 3 Stunden einplanen (je nach Erfahrung und Zwischenstopps besser mehr).

Wie auch bei unserem In-Detail-Artikel zur Cottonwood Canyon-Road haben wir auch zum Shafer Trail und der Potash Road einen kurzen Timelapse-Clip zusammengezimmert, der euch hilft, die Straßenverhältnisse grob einschätzen zu können und wahrscheinlich einen besseren Überblick liefert, als jedes Bild es könnte.

Habt ihr die Abzweigung zum Shafer Trail genommen, nähert ihr euch ohne große Umwege der Abbruchkante des riesigen Plateaus, dass dem Park-Bereich „Island in the Sky“ seinen Namen gibt. Gute 300 Meter befindet man sich hier über allem anderen….und diese Höhendistanz gilt es innerhalb weniger Meilen nun zu bewältigen.

Das Schild an der Abzweigung zum Shafer Trail fasst nochmal zusammen: High Clearance und Allrad-Antrieb empfohlen!

Nach einer wenige Meilen langen Schotterpisten-Zufahrt, die sich problemlos in eigentlich jedem Auto bewältigen lässt, gelangt ihr zu dem Herzstück der Shafer-Trail-Etappe, nämlich der dramatischen Abfahrt. An den teilweise senkrecht abfallenden Felswänden arbeitet man sich auf dem Shafer Trail in aberwitzigen Serpentinen nun langsam nach unten.

Die Spitzkehren sind oft eng und unübersichtlich. Hier ist Vorsicht geboten, v.a. auch durch möglichen Gegenverkehr.

Die Streckenverhältnisse sind auch in diesem Abschnitt eher harmlos, allerdings ist die Strecke – vor allem in den Spitzkehren – recht schmal, weswegen ihr breitere Stellen vorausschauend nutzen solltet, wenn sich 1-2 Etagen tiefer Gegenverkehr ankündigt.

Die eigentliche Sensation des Abschnitts ist vor allem die Tatsache, dass man sich hier an einer Schotterpiste direkt am gähnenden Canyon-Abgrund hinunterschlängelt und dadurch teilweise nur 1 Meter zwischen der Strecke und dem Verderben liegt. Vorsichtig fahren ist also hier definitiv Pflicht, jeder Fehler kann hier definitiv den Tod bedeuten.

Shafer Trail: Check! Die heftige Potash Road lag zu diesem Zeitpunkt noch vor uns!

Wer den Shafer Trail geschafft hat, kann nun entweder das soeben bewältigte Serpentinen-Chaos zurückfahren oder sich auf der Potash Road Richtung Moab bewegen, was dann der Way-to-Go für die volle Dirt-Road-Experience wäre. So entspannt, wie wir auf dem Bild nach erfolgreich absolviertem Shafer Trail posen, wussten wir offensichtlich noch nichts von dem, was auf der Potash Road auf uns und unseren Nissan Rogue zukommen würde und tatsächlich ist das auch gar nicht so leicht in Worte zu fassen.

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Bei dieser Abzweigung ist es enorm wichtig, dass ihr in Richtung Potash/Moab abbiegt und nicht der White Rim-Road weiter folgt.

Wer denkt, der Shafer Trail mit seinen Serpentinen am Canyon-Abgrund wäre der schwierigste Teil der Etappe, wird sich noch heftig wundern. Einige Meilen nach dem Serpentinen-Chaos gelangt ihr an die Abzweigung zur Potash Road, die eben auch wieder zurück nach Moab führt. Hier solltet ihr in jedem Fall abbiegen, denn sonst fahrt ihr schnurstracks ins Herz der Canyonlands auf die White Rim Road, die sich über 70 Meilen am weißen Canyonrand entlang schlängelt und definitiv überhaupt nichts für Standard-Mietwägen ist. Also denkt nicht mal dran! Diese Strecke sollte wirklich nur mit einem 100%igen Gelände-Fahrzeug und Camping-Ausrüstung für mindestens eine Übernachtung angegangen werden.

Aus der Abbruchkante des White Rims kristallieren sich zunehmend Felssäulen hinaus.

Als einzige Strecke in unserer Top 3-Liste ist die Potash Road durchaus anspruchsvoll und bringt die Mietwagen-SUVs und ihre verweichlichten Fahrer gehörig ins Schwitzen. Wie gesagt, die einzige andere Möglichkeit ist, den Shafer Trail wieder zurückzufahren. Wer sich also für die Potash Road entschieden hat, untergräbt sozusagen den White Rim und begibt sich in ausgetrocknete, sandige Flussbetten hinab, hat ausgewachsene Felsstufen zu bewältigen und ist nicht selten auf einen vertrauenswürdigen Beifahrer angewiesen, der zwischendurch aussteigt, um Bodenfreiheit & Co einzuschätzen.

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Bei diesen Felsstufen haben wir mit am längsten gebraucht, weil es enorm schwer einzuschätzen war, welche Höhe wir unserem Nissan Rogue zumuten konnten.

Wir waren auf der Etappe mehr als einmal deutlich angespannt, Dustin hat seine Hände ins Lenkrad gekrallt und angestrengt zu allen Seiten die Abstände abgeschätzt, Tamy musste immer wieder aussteigen und Off-Road-Lotse spielen. Landschaftlich spielt sich gerade in diesem Abschnitt gar nicht so wahnsinnig viel ab. Man bewegt sich die meiste Zeit am Canyonrand in einem riesigen Canyongewirr entlang, taucht immer wieder in Seitenärme ab, wo man besagte Flussbetten zu durchkreuzen hat und schafft es hin und wieder auf kleinere Plateuas, mit tollen Ausblicken auf den Colorado und die umliegenden roten Felswände, die sich scheinbar ins Unendliche auftürmen. Am oberen Ende liegt irgendwo der Dead Horse Point State Park.

Wer genau hinschaut, wird in der nur scheinbar lebensfeindlichen Umgebung auch Wildlife beobachten können.

Das wahre Highlight aber ist zweifellos das Gefühl, sich hier gegen diese unwirkliche Natur behaupten zu müssen. Es gibt nur das bisschen an Strecke und die wirft dem Reisenden immer wieder schier unmögliche Aufgaben in den Weg, um in der lebensfeindlichen Umgebung weiter zu kommen.

Der Blick auf den Mighty-Colorado! Näher ans Ufer kommt man erst am Ende der Potash Road.

Ein verrückter Anblick wartet kurz vor Ende der Etappe noch auf euch, der aber vollkommen menschgemacht ist und der Potash Road ihren Namen verleiht. Wenn ihr in der Ferne in der flirrenden Hitze plötzlich weiß-blaues Glitzern wahrnehmt, ist das keine Schnee-Oase sondern die riesige Cane Creek Potash Mine, die seit Anfang der 1960er hier einen beinahe außerirdische wirkenden Kontrast zu den roten Felsen liefert. Abgebaut wird hier das sogenannte Kalisalz (englisch: Potash), welches zur Produktion von Mineraldünger benötigt wird. Der US-Reiseexperte lala hat das auf seiner Seite lalasreisen etwas fachmännischer erklärt.

Die Cane Creek Potash Mine mit ihren unwirklich erscheinenden Verdunstungsbecken.

Um an die Salzminerale zu gelangen, schwemmt man selbige mit dem Wasser des nahen Colorado River aus der Mine an die Erdoberfläche und pumpt es anschließend in große Becken, in welchen das Wasser verdunstet. Zusätzlich wird ein blauer Farbstoff zugesetzt, wodurch die Verdunstung weiter beschleunigt wird. Am Ende bleibt das Kalisalz übrig, wovon hier rund 1000-1500 Tonnen pro Tag gefördert werden.

Die Potash Road führt außen an den gigantischen Beckenanlagen inmitten von Moabs Wild-West-Landschaft vorbei, die trotz des interessanten Farbkontrasts natürlich auch einen seltsamen Fremdkörper darstellen und zudem durch die angewandte Verdunstungsmethode zur Wasserarmut des Colorado River beitragen.

Trotz der Mine und dem entsprechenden Verkehr geht es auf den letzten Metern der Potash Road nochmal ordentlich auf und ab.

Der Weg um die ausufernde Anlage ist trotz diverser Zufahrtswege auch weiterhin sehr holprig und erfordert viel Konzentration. Zudem sorgen hier mehrere Dirt-Road-Kreuzungen für dezente Unklarheiten bei der Navigation. Wirklich verfahren kann man sich so nah an der Zivilisation wohl nicht mehr, aber wirklich geschafft hat man die Potash Road erst, wenn man – angekommen am Colorado River – an der Potash Boat Ramp wieder Asphalt unter die Räder kriegt.

Die Utah State Route 279 bildet einen wunderschönen Abschluss der Etappe direkt am Colorado River.

Von hier aus folgt die Utah State Route 279 als gut ausgebaute Zufahrtsstraße der Kali-Mine dem Colorado River durch einen tiefen Canyon, der die Dirt Road-Anstrengungen mit einem Landschafts-Highlight bei angenehmen Straßenverältnissen abschließt. Wer Zeit hat, wird auch hier noch zahlreiche interessante Foto-Gelegenheiten finden. Unter anderem winken noch diverse interessante Gesteinsformationen, indianische Petroglyphen und Dinosaurier-Fußabdrücke. Auch dazu gibt’s bei lalasreisen etwas zu lesen.

Nach etwa 20 Asphalt-Meilen erreicht man schließlich Moab, wo wir wie immer die Stärkung in der grandiosen Moab Brewery bei einem waschechten Utah-IPA-Bier empfehlen können! Wer den Shafer Trail und die Potash Road geschafft hat, hat es sich verdient!


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Wer am Ende auf diese Dirt Road-Etappe zurückblickt, macht – ob religiös oder nicht – erst mal drei Kreuze und fragt sich, welcher Teufel einen denn bei dieser Routenplanung geritten hat. Aber gleichzeitig ist man stolz, es durch diese ganz besondere Strecke der Canyonlands geschafft zu haben, die für eine tiefere Verbindung mit dieser unbändigen Wildnis sorgt, der man hier fast schutzlos ausgeliefert war. Für uns war es ein Abenteuer, welches wir nie wieder vergessen werden und welches wir hoffentlich auch noch einmal bestreiten dürfen!

An der Stelle wollen wir nochmal unterstreichen: mit genug Bodenfreiheit und Allradantrieb ist auch die Shafer Trail/Potash Road-Kombo bei guten Witterungsbedingungen definitiv machbar, auch wenn sie dem Fahrer definitiv mehr abverlangt, als die anderen Strecken. Wer in Deutschland nur perfekt geteerte Bundesstraßen fährt, wird hier erst mal heftig schlucken, aber es lohnt sich definitiv!

Seid ihr den Shafer Trail und die Potash Road schon mal gefahren? Was sind eure Dirt-Road-Tipps für die Moab-Region?

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