So haben wir unsere Costa Rica-Reise geplant – Regenzeit, Sicherheit und „flexible“ Routenplanung

So ziemlich alle Menschen, mit denen wir in Costa Rica gesprochen haben, haben uns nach unserer Routenplanung gefragt und jedes Mal mussten wir leicht verunsichert zugeben, dass wir einfach keine hatten und nicht wussten, wo wir beispielsweise in zwei Tagen sein würden. Vor der Reise waren wir selbst nicht sicher, ob das so eine kluge Entscheidung war…

Anfang Mai hatten wir für unseren Costa Rica-Trip den Sack zugemacht und Mitte Juni ging es los. 1,5 Monate später war es dann so weit und am Tag unseres Abflugs hatten wir genau eine Übernachtung und den Mietwagen gebucht, sowie den Weiterflug nach Kalifornien. Alles andere war komplett offen und hat uns ehrlich gesagt selbst ein bisschen Angst gemacht.

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Nicht mal im Flugzeug haben wir mit der Reiseplanung angefangen…

Eigentlich hatten wir vorgehabt den Trip akkurat durchzuplanen, weil wir nach einigen Negativerfahrungen auf unserer Mexiko-Reise im Jahr 2017, durchaus Respekt vor Mittelamerika hatten. Wir wollten vorbereitet sein, nur gut ausgebaute Straßen fahren und über alles genau Bescheid wissen. Tatsächlich wurden wir mehr oder weniger von einem Umzug kurz vor dem Urlaub überrumpelt und bekamen irgendwie gar nix mehr gebacken. Und dann stand auch schon der Abreisetag vor der Tür….okay, dann eben ohne Planung! 



Unsere Route sah im Endeffekt wie folgt aus:





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Die erste Übernachtung & die Sicherheit

Unsere erste Übernachtung wollten wir trotz Umzugsstress definitiv safe haben. Da unser Lufthansa-Flug erst am späten Nachmittag landete, fiel die Wahl auf ein Flughafen-Hotel, wodurch uns eine stressige Fahrt nach einem langen Flug erspart bliebt. Und wie wir bereits in unserem „Entspannt ankommen Costa Rica Edition“-Artikel beschrieben haben, war es die beste Entscheidung überhaupt.

„Von der Lufthansa Business Class in den Shuttle-Bus zum Hotel, Einchecken, Frischmachen, bei Denny’s gegenüber einen Happen essen, zurück ins Hotel, Bett. Dieser Travelflow hat unsere Ankunft in Costa Rica rekordverdächtig angenehm gemacht. Dementsprechend können wir euch unsere eher mainstreamige und nicht besonders individuelle Hotelwahl für die erste Nacht nur ans Herz legen, denn wer entspannt abends ankommt, ist am nächsten Tag direkt umso fitter!“


Das Fazit des Artikels spart noch die abendlichen Überlegungen aus, wie es denn am nächsten Tag eigentlich weitergehen sollte. Wir hatten schon von der Crocodile Bridge an der Pazifikküste gehört und da wir uns bei den zahlreichen National Parks des Landes noch nicht weiter eingelesen hatten, visierten wir diese als grobe Richtung für den ersten Tag an, an dem wir erstmal mit einer kürzeren Fahrtetappe starten wollten. Mit knapp 90 Kilometern ging die Route gut klar und wir suchten uns eine Unterkunft im nächstgelegenen größeren Ort Jaco und buchten schließlich zwei Übernachtungen im Pumilio Mountain & Ocean Hotel, da wir doch einige Point of Interests in der Nähe bei Google Maps gefunden hatten.

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Die „Crocodile Bridge“ über den Tarcoles River gilt als Hotspot für Autoaufbrüche.


Wichtig war hier, dass wir aufgrund der Sicherheitshinweise beim Auswärtigen Amt zu Costa Rica mit unserem Mietwagen nie mit Gepäck im Kofferraum irgendwo parken wollten. 

  • Lassen Sie Ihr Gepäck auch in abgeschlossenen Fahrzeugen nicht unbeaufsichtigt. Das gilt auch für private touristische Busse mit Reiseleitung.
  • Halten Sie Türen und Fenster auch während der Fahrt verschlossen und verriegelt und stellen Sie Fahrzeuge nur auf bewachten Parkplätzen ab.


So planten wir immer so, dass wir bei jeder Etappe erst das Hotel ansteuern, dort alles ausladen und dann mit leerem Auto zum Point of Interest fahren konnten. 

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Ein kleines Paradies im Dschungel: Viel perfekter hätte unsere Unterkunft bei Jaco nicht sein können.


Auch hier hatten wir keine Ahnung, wie wir anschließend vorgehen würden und im Laufe des Trips fingen wir an, diese Freiheit zu genießen. So kam in Jaco relativ spontan noch eine Übernachtung hinzu, weil wir uns nicht nur unglaublich wohl in unserem Hotel fühlten, sondern auch den Guide-Trip in den Manuel Antonio National Park noch dranhängen wollten.



Die Weiterfahrt oder die erste Erfahrung mit den abenteuerlichen Straßenverhältnissen

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Danach sollte es Richtung Norden gehen und zwar in Richtung La Fortuna am Vulkan Arenal. Dabei bekamen wir es erstmals mit den abenteuerlichen Straßenbedingungen in Costa Rica zu tun.

„Die „kürzeste Route“ entpuppte sich als Regen-getränkte, extrem steile Bergstraße mit Schlaglöchern von der Größe des Grand Canyons. Es dauerte nicht lang, bis wir uns in einer Mordssteigung zum Umkehren entschließen mussten und einen saftigen Umweg über eine laut Karte deutlich breitere Straße in Kauf nahmen.“

An diesem Tag lernten wir, dass es zweckmäßig ist, in Costa Rica auf längeren Etappen auf die (zugegebermaßen) wenigen größeren Verkehrsadern zu setzen. Wer sich von Google Maps auf dem kürzesten Weg leiten lässt, landet sonst schnell wie wir auf verregneten Bergstraßen mit absurder Steigung und löchrigem Belag. Derartige Aktionen können auch schnell mal in die Hose gehen, also Vorsicht!

Nach den zwei Übernachtungen in La Fortuna standen wir wieder vor der Entscheidung, wo es als nächstes hingehen sollte. Eine ganze Weile überlegten wir hin und her, ob wir den Weg in Richtung Karibikküste einschlagen sollte oder noch länger im Bereich der (Regen)bewaldeten Vulkankrater bleiben (Monteverde National Park?) sollten mit einem weiteren Schlenker zur Pazifikküste, wo es uns zu Beginn so gut gefallen hatte. Im Endeffekt entschlossen wir uns aufgrund der Wetterprognosen für die Variante in der Karibik.


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Der Einfluss der Regenzeit?

Von Mai bis Oktober ist in Costa Rica Regenzeit, die besten Reisemonate liegen folglich im europäischen Winter. Wir waren im Juni also quasi mitten zur Regenzeit vor Ort, was in den meisten Fällen nicht weiter dramatisch ist. Durch das tropische Klima vergeht auch im Sommer kaum ein Tag ohne Regenschauer, die eben zur Regenzeit etwas ausführlicher ausfallen. Die Temperaturen bewegen sich konstant auf 25 bis 30 Grad, die Luftfeuchtigkeit ist enorm hoch. Generell kann es sich durchaus lohnen, dass Wetter im Auge zu behalten, um größere Tiefdruckgebiete oder gar Stürme (nicht unüblich in der Karibikregion) zu vermeiden. Generell hängt der Regen schonmal eher im Inland fest, während an den Küsten etwas mehr Bewegung am Himmel herrscht.

Eine detaillierte Wetteransage wie in Europa sucht man allerdings vergebens. Gerade zur Regenzeit meldet der Wetterdienst vorsorglich den ganzen Tag über Regen, anstatt das ganze zumindest auf verschiedene Tageszeiten herunterzubrechen. Auch auf Nachfrage wird man eher ausgelacht, wenn man sich erkundigt, wann der Regen denn voraussichtlich einsetzen wird, bzw. ob es vielleicht am Vor- oder Nachmittag trocken bleiben könnte.


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Sicherheit & Verkehrsanbindung in Richtung Karibikküste

That being said, die Karibikprognosen sahen trockener und sonniger aus, als das Wetter an der Pazifikküste, weswegen die Entscheidung klar war. An der Karibikküste von Costa Rica gibt es erstaunlich wenig touristische Infrastruktur, ein Großteil der nördlichen Küste wird vom Nationalpark Tortuguero belegt, der nur recht umständlich zu erreichen ist. Puerto Limón liegt ungefähr in der Mitte und gilt als Hafenstadt mit besonders hoher Gewaltkriminalität (Auswärtiges Amt). Das wollten wir also auch meiden. Im Süden grenzt Costa Rica an Panama und dieses Grenzgebiet war auch der Bereich, den wir letztendlich anpeilten, genauer gesagt Puerto Viejo de Talamanca. Auch wenn dieser Bereich als sicherer gilt als Puerto Limón, sollte gesagt werden, dass das Auswärtige Amt auch hier vor der Möglichkeit bewaffneter Raubüberfälle warnt. Die Polizeipräsenz war dort gefühlt auch deutlich größer. Etwas Vorsicht ist im Bereich der Karibikküste also auf jeden Fall geboten. Auch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass lediglich eine einzige vernünftige Straße Richtung Karibik führt. Es gibt keine Alternative. Wenn dort ein Unfall oder ein Streik ist (was in Costa Rica durchaus vorkommen kann), geht nichts mehr rein und nichts mehr raus. Egal was ihr vorhabt: Plant also bei Trips in diese Region VIEL Pufferzeit ein!

Da die Etappe von La Fortuna nach Puerto Viejo mit 270 Kilometern nicht gerade kurz ausfallen würde, entschlossen wir uns zu einer Zwischenübernachtung. So konnten wir nachmittags in La Fortuna starten, dann irgendwo auf dem Weg übernachten und am nächsten Tag entspannt Richtung Karibik weiterfahren, ohne dabei zu zwielichten Tageszeiten unterwegs sein zu müssen. Da auf der Route aber kein touristischer Ort lag, hatten wir einige Schwierigkeiten am Abend vor der Abfahrt ein bezahlbares Hotel in vermeintlich sicherer Lage zu finden. Im Endeffekt fanden wir eine Motel-ähnliche, abgeschottete Konferenz-Anlage in Guápiles namens Hotel & Country Club Suerre ziemlich genau in der Etappenmitte. Die umgebende Stadt war ein nicht unbedingt Vertrauen erweckender Landwirtschafts-Standort an einer viel befahrenen Verkehrsader, aber durch den umzäunten und abgesicherten Hotel-Bereich fühlten wir uns doch auf Anhieb sicher. Das wir hier etwas abseits der klassischen Touristenpfade unterwegs waren, zeigte sich auch anhand der Tatsache, dass die Ticos so gut wie gar kein Englisch gesprochen haben. 


 

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Dank flexibler Planung: Gechillte Vibes an der Karibikküste

Am nächsten Morgen haben wir unser Gepäck zunächst noch im Hotel gelassen, um einen kleinen Ausflug in einen Nationalpark in der Umgebung zu machen (wo wir unser Auto teils unbeaufsichtigt parken mussten). Erst als wir fertig waren, haben wir alles eingeladen und sind gegen Mittag in Richtung Karibik gestartet. Die Straße ist viel befahren, aber gut in Schuss. Am späten Nachmittag kamen wir schließlich bei unserem Hotel zwischen Puerto Viejo de Talamanca und Punta Cocles an, welches wir für zwei Übernachtungen am Vorabend dank einer Hotels.com-Gratisnacht recht günstig reserviert hatten. 

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So lässt es sich am Blog arbeiten!

Auch hier war unsere offene bzw. die nicht vorhandene Planung hilfreich, denn letztendlich mochten wir die Gegend und den entspannten Vibe in und um Puerto Viejo so gerne, dass wir spontan um die zwei letzten Übernachtungen verlängerten. So blieb uns mehr Zeit, um die relaxte Karibikküste zu genießen, eine Tierauffangstation zu besuchen und den Cahuita Nationalpark zu erkunden, der im Nachhinein zu einem unserer größten Costa Rica-Highlights zählt.

Im Umkehrschluss bedeutete die spontane Verlängerung aber auch, dass wir am Abreisetag (Abflug kurz nach Mitternacht des Folgetages) den kompletten Weg zum Airport fahren mussten, was immerhin eine Strecke von fast 250 Kilometern waren. In den USA juckt uns eine solche Entfernung nicht weiter, in Costa Rica sind Verkehr, Straßenbeschaffenheit und Alternativrouten aber ein nicht zu unterschätzender Störfaktor.

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Beeindruckende Aussicht am Irazu-Vulkan.

Mit entsprechend viel Zeitpuffer sind wir früh genug losgefahren und konnten im Endeffekt noch einen Ministopp am Irazu-Vulkan vor den Toren von San Jose machen. Wie auf dem Bild zu sehen ist, hat uns da aber das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Statt einem imposanten Krater standen wir mitten in einer dichten Wolkendecke, weswegen wir uns relativ schnell auf den Weg nach San Jose machten.

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San Jose zur Hauptverkehrszeit macht nur bedingt Spaß.

Auch für den Weg durch die wuselige Hauptstadt des Landes sollte man einiges an Zeit einplanen. Der Verkehr ist dicht, die Fahrweise teilweise sehr chaotisch und auch die Verkehrsführung nicht selten unübersichtlich. 

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Die nahe Airport-Rettung um Wartezeit zu überbrücken: Das Denny’s Restaurant in San Jose!

Zum Glück hatten wir mit viel Zeit geplant und nutzten wie schon an unserem Ankunftstag das Denny’s in Airportnähe als Restaurant, um den Abend ausklingen zu lassen. Nur wenige Meter von dort befand sich auch unsere Mietwagenstation (wie wir am Anreisetag begeistert festgestellt hatten), wo wir unseren kleinen Geländewagen abgaben und anschließend mit einem Shuttlebus zum Airport gefahren wurden.

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Mit Aeromexico ging es für uns schließlich von Costa Rica aus weiter.

Wie es von dort weiterging, könnt ihr bereits hier nachlesen: Aeromexico 787-8 Premier Class – Im Business Class-Sitz zum Economy-Preis von Mexiko nach Los Angeles

 



 

Alles in allem können wir sagen, dass es genau die richtige Entscheidung war, so wenig von unserem Costa Rica-Trip zu planen. Dadurch waren wir unglaublich flexibel unterwegs, konnten Aufenthalte an Orten, die wir mochten verlängern und uns einfach treiben lassen. Gerade weil Nebensaison (Regenzeit) war, gab es auch in keinem Hotel irgendwelche Probleme, noch kurzfristig ein Zimmer zu bekommen. Im Endeffekt hat alles viel zu perfekt gepasst, von der (gut durchgeplanten) Ankunft über den Pazifik-Abstecher, die Reise zum Vulkan und zu guter Letzt zur unglaublich relaxten Karibikküste. Das alles hat definitiv dazu beigetragen, dass wir uns so sehr in dieses Land verliebt haben und sicher auch nochmal wiederkommen werden….dann vermutlich auch wieder Freestyle! Wir können es echt nur empfehlen!

Wie sind eure Erfahrungen in Costa Rica gewesen? Hattet ihr eine klare Route geplant oder wart ihr auch eher Freestyle unterwegs? 

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