Mit der Lufthansa Business Class auf Langstrecke – Kann Top-Service einen alten Sitz ausgleichen?

Alles was wir in den letzten Jahren mit Meilen recherchiert, ausprobiert und gesammelt haben, sollte zu genau diesem Moment führen….in Frankfurt ankommen, in einer ruhigen Lounge warten und dann in einem verschwenderisch großzügigen Sitz in ferne Länder fliegen…entspannt, komfortabel und mit gutem Service. Ob die Lufthansa mit einem sieben Jahre alten Produkt unseren Erwartungen an einen solchen Flug erfüllen kann? Frankfurt – San Jose (Costa Rica), ready for take off…

Wenn ihr euch dafür interessiert, wie wir zu den Business Class-Tickets gekommen sind, könnt ihr das hier nachlesen: >> Business Class-Flüge im Wert von über 11.000 Euro gebucht – So könnt ihr das auch! <<

 



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Einer der großen Vorteile eines Business Class-Tickets ist zweifellos der Lounge-Zugang, durch den die Wartezeit am Airport deutlich entspannter ist und man zudem kostenlos essen und trinken kann.

Bei unserem Umstieg in Frankfurt haben wir deshalb mit besonders viel Zeit geplant. Gut 4 1/2 Stunden lagen zwischen unserer Ankunft aus Luxemburg und unserem Weiterflug nach Costa Rica. Somit hatten wir auch die Gelegenheit gleich zwei Lounges auszuprobieren…

 

Die Air Canada Maple Leaf Lounge

 

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Air Canada? Fliegen wir nicht Lufthansa? Yep, aber da beide Airline zur Star Alliance gehören, kann man mit einem Business Ticket auch in die Lounge des anderen gehen. Von der Maple Leaf Lounge hatten wir im Vorfeld mehrere positive Reviews gelesen und da sie nahe unserem Abflugsgate war, bot sich ein Besuch natürlich an.


Die Maple Leaf-Lounge war zu unserer Ankunftszeit recht gut besucht, aber wir konnten uns noch einen Platz am Fenster sichern, von wo aus man eine gute Sicht aufs Flughafen-Vorfeld hatte. Generell bietet die Lounge viele verschiedene Sitzmöglichkeiten, vom Sessel über klassische Tischgruppen bis hin zu abgetrennten Relax-Liegen.

Die Lounge war angesichts des Andrangs Personal-mäßig etwas dünn besetzt, weswegen freigewordene Plätze nur sehr unregelmäßig abgeräumt und gereinigt wurden. Bei einem genaueren Blick auf unsere Sessel zeigte sich, dass diese wohl schon länger kein feuchtes Tuch mehr gesehen hatten. Von einer Business Class-Lounge darf man definitiv etwas mehr Sauberkeit erwarten, was denkt ihr?

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Das Catering war zur Frühstückszeit reichhaltig, es gab sowohl kalte, als auch warme Speisen und viele zusätzliche kleine Extras. Auch die Getränkeauswahl überzeugte.

 

So konnten wir entspannt mit Blick auf das Flughafentreiben nach der Luxemburger Lounge und dem Bordmenü unser mittlerweile drittes Frühstück genießen und die Zeit verging wie im Flug. Ein etwas schnellerer Abräum-Service wäre wünschenswert gewesen, aber grundsätzlich hinterließ die Maple Leaf Lounge einen guten Eindruck.

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Lufthansa Business Class Lounge in Terminal 1B

 

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Das Produkt der Lufthansa liegt am anderen Ende vom relativ übersichtlichen Terminal 1B und musste nach ein bisschen Duty-Free-Stöbern natürlich auch noch ausprobiert werden. Der Zugang erfolgte nach der Einlass-Kontrolle über eine Treppe. Am oberen Ende thronte die Lounge schließlich in Kreisform über dem Vorfeld, welches aber leider durch die Gebäudekonstruktion zu weiten Teilen verdeckt blieb.


War die Maple Leaf-Lounge schon recht voll, legte das Lufthansa-Pendant noch einige Schippen drauf. Es war gar nicht so einfach einen freien Platz zu finden. Die gebotenen Sitzmöglichkeiten waren zudem deutlich schlechter und unbequemer als bei Air Canada. An den Tischen gab es lediglich ergonomisch geformte Plastikstühle, die Hochtische waren mit wenig bequemen Hockern ohne Rückenlehne bestückt, darüberhinaus gab es einige Sessel und Bänke.

Wirklich entspannen war hier unmöglich, das Produkt erinnerte mehr an die Massenabfertigung vom restlichen Airport, aus der man in einer Business Lounge ja eigentlich entkommen will.


Das Catering und die Getränkeauswahl ging in Ordnung, hat uns aber in der Maple Leaf-Lounge definitiv besser gefallen. Mit einem kleinen Snack machten wir es uns für die wenigen verbleibenden Minuten noch an einem der Hochtische mehr oder weniger gemütlich und warteten auf das Boarding…

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Boarding

 

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Die Lufthansa-App stellte sich als extrem verlässlicher und gut durchdachter Begleiter in der gesamten Flughafen-Experience heraus. Wir waren immer informiert, Gate-Änderungen wurden uns mitgeteilt und auch ein etwas früheres Boarding wurde sofort via Push-Nachricht kommuniziert. Ein klarer Mehrwert bei einer Reise, vor allem wenn man mehrere Flugetappen hat.

Für uns ging es von der Lufthansa Lounge zu unserem Gate, welches sich leider als Bus-Gate herausstellte.

Wirkliches Priority-Boarding fand dadurch leider nicht statt. Für alle Passagiere ging es mehr oder weniger gleichzeitig zum Bus, es herrschte unzivilisiertes Gedrängel von allen Seiten. Ein Boarding in Gruppen mit mehreren Bussen wäre für alle Beteiligten deutlich angenehmer gewesen.

Unser Airbus A340-300 stand relativ nah an der Startbahn. Langes Herumkurven auf dem ausufernden Vorfeld des Frankfurter Flughafens würde uns nach der Busfahrt also immerhin erspart bleiben.

Nach kurzer Wartezeit gingen die Bustüren dann auch endlich auf und die Passagiere stürmten gleichzeitig zu den Treppen. Boarding-Chaos vom Feinsten!

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In dem Moment, wo wir beim Betreten des alten Vierstrahlers nach links statt rechts abbiegen konnten, war der ganze Stress aber wie weggeblasen. Die Lufthansa Business-Class, die übrigens in allen Langstrecken-Maschinen der Airline die gleichen Sitze bietet, mag nicht mehr ganz up-to-date sein (die neue kommt 2020 oder 21 mit der neuen Boeing 777X), aber für Business-Newbies wie uns war es ein erhabenes Gefühl in diesen großzügigen Bereich des Flugzeugs eintreten zu dürfen, wo wir uns und unser Handgepäck erst mal in aller Ruhe ordnen konnten.


Was sich von Anfang herauskristallisierte war der grandiose Service. Mit dem Welcome Drink vor dem Start wurden wir von unserer Flugbegleiterin mit ein paar netten Worten begrüßt, kurz darauf kam auch der Kabinenchef vorbei, der uns persönlich mit Namen ansprach und sich interessiert nach unserer Reise erkundigte. Von der ersten Minute an fühlten wir uns an Bord so willkommen wie noch nie zuvor in einem Flugzeug.

Zum Wohlfühl-Faktor trug natürlich auch unser Sitzplatz bei. Mittlerweile überholte Business Class hin oder her, für Leute wie uns, die normalerweise in der Economy unterwegs sind, war der Platz, der sich da vor uns ausbreitete, kaum mit Worten zu beschreiben. Bequem im Sitz lümmeln und die Beine komplett ausstrecken? Kein Problem! Sitz in eine gemütliche Lounge-Position fahren lassen und die Füße auf dem (vielleicht etwas engen) Ottomanen ablegen? Easy! Den Sitz zu einem flachen Bett werden lassen und einfach komfortabel und ausgestreckt schlafen können…jederzeit (naja, außer bei Start und Landung ;))! Kissen, Decke und eine extra weiche Mini-Matratze liegen übrigens auch am Platz bereit.

Oft wird bei der Lufthansa die 2-2-2er-Konfiguration als Nachteil angeführt. Der Grund: Wer am Fenster sitzt, muss über seinen Nebenmann klettern. Für alleinreisende Geschäftsmänner ein klares Manko, für zusammenreisende Paare gar kein Problem.

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Ein nettes Gimmick bei Business Class-Flügen ist immer das Amenity Kit, in dem kleine Utensilien für den Flug untergebracht sind. Und das Beste: man darf das schicke Täschchen behalten!

 

Der Flug nach San Jose

 

Dank naher Startbahn dauerte es nicht lang bis unser A340-300 in luftige Höhen begab…naja, das stimmt natürlich nur so halb, denn der Jet ist bekannt dafür, aufgrund seiner leichten Untermotorisierung nur sehr langsam an Höhe zu gewinnen. Scherzhaft heißt es in Pilotenkreisen gar, dass der gemütliche Vierstrahler nur wegen der Erdkrümmung die Reiseflughöhe erreicht. So haben wir es dann aber auch mit etwas Verzögerung auf die 10 Kilometer Höhe schafft. Thanks, Erdkrümmung!

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Tamy hat offensichtlich schon Hunger!

Wenig später wurde dann auch der ausklappbare und ebenfalls drehbare (falls man mal aufstehen muss) Tisch gedeckt und der Mealservice startete. Wir hatten eine vegetarische Option bei der Flugbuchung vorbestellt, was wie immer bei Lufthansa (auch in der Economy) ohne Probleme funktionierte.

Los ging es mit einer Schale Nüsse, wenig später wurde die sehr schmackhafte Vorspeise mit Grillgemüse und Couscous, einem Salat und einer Scheibe Brot serviert. Das Hauptgericht waren dann zwei Mais-Polenta-Bällchen in einer Tomatensauce mit ein wenig Gemüse, welches geschmacklich jetzt alles andere als berauschend war…in Ordnung, aber eben auch nicht wirklich gut. Das hätte in einem Aluschälchen auch in der Economy serviert werden können.

Größtes Highlight war dann wohl die verhältnismäßig sehr große Portion Eis zum Nachtisch, zu der es dann einen Baileys für Tamy und einen Scotch für Dustin gab.

Damit waren wir bereit für die Entspannung und ein bisschen Filmvergnügen. Das Lufthansa-Entertainment-System hat zwar nicht mehr die größten Bildschirme und die beste Auswahl, aber 1-2 Filme sollte eigentlich jeder unter insgesamt 208 Streifen finden. Also den Sitz in eine gemütliche Position fahren und Film ab!

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Wir nutzten die 12 Stunden Flugzeit natürlich auch zwischendurch zum Schlafen. Wenn der flache Lufthansa-Business-Sitz auch nicht so bequem wie das Bett zuhause ist (es gibt wohl durchaus Airlines, die da schon näher rankommen), ist es doch immer wieder absurd in einem Flugzeug einfach komplett FLACH liegen zu können.

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Ich kam mit meinen 1,80m mit der Sitzlänge gut klar, die nicht megagroßzügige Sitzbreite bietet auch Seitenschläfern zumindest die Option, diese Position auszuprobieren. Der Fußraum könnte generell etwas größer sein, aber man kommt auf jeden Fall klar. Bei uns hat es mit dem Schlafen jedenfalls gut geklappt und die Flugzeit verging eigentlich viel zu schnell…

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1,5 Stunden vor der Landung gab’s auch schon den Arrivalsnack, der geschmacklich besser war als das Mittagessen, aber jetzt auch keine Auszeichnung verdient hat. Am Catering ist da definitiv noch Luft nach oben bei der Lufthansa.

Auch hier nochmal zur Einordnung: das ist natürlich alles Jammern auf hohem Niveau. Wir konnten dieses Produkt durch unsere Meilensammlerei megagünstig fliegen, hätten wir über 5000 Euro für den Flug bezahlt, würden wir vom Essen schon ein bisschen mehr erwarten.

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Kurz darauf begann auch schon der Anflug auf San Jose, Costa Rica. Unglaubliche Wolkenberge türmten sich über dem mittelamerikanischen Land auf und unser Airbus A340-300 tauchte langsam in die flauschige Wolkendecke ein…

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Die Wolken hingen ziemlich tief und wir konnten vor der Landung nur noch wenige Blicke auf die Vororte von San Jose erhasche, bevor die hochgelegene Landebahn auch schon unter uns auftauchte und wir nach 12 Stunden Flug einfach megaerholt in Costa Rica ankamen.

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Als kleine Randanekdote vor dem Fazit: 3 Tage nach unserer Ankunft wurden wir überraschend im Nationalpark Manuel Antonio von einer blonden Frau angesprochen, die sich nach anfänglicher Verwirrung als unsere freundliche Flugbegleiterin herausstellte, die mit ihrer Crew fünf Tage bezahlten Urlaub im Dschungelparadies machen konnte und uns wiedererkannt hatte. Erneut präsentierte die Frau sich supernett, unterhielt sich mit uns und wünschte uns dann eine gute Weiterreise.

Jeder Flug steht und fällt mit der Crew….diese unerwartete Begegnung war für uns aber nochmal ein megacooler Abschluss unseres Business Class-Flugs, der uns dann auch in unserem Fazit bestätigte…

 


 

…denn auch wenn der Sitz nicht mehr ganz up-to-date ist und beim Catering einiges an Luft nach oben ist, haben wir uns selten so willkommen an Bord gefühlt. Unsere Lufthansa-Crew hat uns eigentlich jegliche kleine Mängel vergessen lassen und unseren ersten langen Business-Class-Flug zu einem tollen und wirklich entspannten Erlebnis gemacht. Ist das die 5-Sterne vom Skytrax-Rating wert? Darüber kann man sicherlich streiten, aber für uns kann ein guter Service definitiv so einiges rausreißen.

Wir würden definitiv wieder Business mit Lufthansa fliegen, aber sind natürlich jetzt auch umso heißer weitere Produkte antesten zu können…denn wenn man einmal in diesen verschwenderisch bequemen Sitzen Platz genommen hat, hat man definitiv Blut geleckt und will sich eigentlich gar nicht mehr in die Economy quetschen…somit bleibt eigentlich nur noch zusagen: Möge das Meilensammeln wieder beginnen!

Seid ihr schon in der Lufthansa Business Class geflogen? Wie waren eure Eindrücke? Seid ihr auch so gespannt wie wir auf die neuen Sitze in der 777? Mit welchen anderen Airlines seid ihr schon Business geflogen und welche war euer Favorit?


 

Checkt gerne auch unseren Lufthansa vs. Eurowings-Economy-Vergleich ab:

>> Lufthansa vs. Eurowings – Mit 5-Sterne-Airline und Billigflieger auf Langstrecke  <<



Photocredit: Airbus A340-300 im Titelbild: Marc Schieferdecker, https://flic.kr/p/9AtFjn [Creative Commons-Lizenz]

  1. […] der Lufthansa Business Class in den Shuttle-Bus zum Hotel, Einchecken, Frischmachen, bei Denny’s gegenüber einen Happen […]

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