Mit Höhenangst über fast 50 Meter hohe Dschungelbrücken – Der Mistico Hanging Bridges-Park in Costa Rica

Der Mistico Hanging Bridges-Park in Costa Rica ist eine der bekanntesten Hängebrücken-Attraktionen des Landes und bietet mit 16 verschiedenen Brücken in einem geschützten 260 Hektar großen Bereich des tropischen Regenwalds des Landes so einiges für abenteuerlustige Wanderer. Wir haben das ganze auch ausprobiert, aber Tamy musste Dustin ziemlich lange überreden. Wacklige 90 Meter-Hängebrücken über fast 50 Meter tiefe Schluchten vertragen sich nämlich nicht so mit Höhenangst. Ob der Park sich trotzdem mit einem Angsthasen lohnt?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Eine klare Empfehlung für Menschen mit Höhenangst können wir an der Stelle natürlich nicht geben. Jede Angst ist unterschiedlich, jeder hat mit anderen Problemen zu kämpfen, jeder geht anders mit der Angst um.

Der Park ist rund 30 Minuten von La Fortuna, dem touristischen Zentrum der Region rund um den Arenal-Vulkan, entfernt und gehört zu den beliebtesten Hängebrücken-Parks im Land (lediglich in der Monteverde-Region gibt es wohl noch bessere).

Die zum Park Strecke ist gut ausgebaut und easy zu befahren. Dort angekommen zeigt sich schon sofort das unglaubliche Panorama auf den alles dominierenden Vulkan, der gerade mal 5 Kilometer Luftlinie entfernt gen Himmel thront.

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Recht saftige 26 Dollar zieht der Park für den Eintritt pro Person, Zusatzpakete bieten Führungen durch Guides und mehr. Wir entscheiden uns für die ungeführte Variante, allein schon weil Dustin an einigen Brücken mehr Zeit haben will, um sich zu akklimatisieren.

An der Kasse darf man noch einmal den Parkplan abfotografieren und wird mit einigen kurzen Empfehlungen losgeschickt. Das Tempo kann man natürlich selbst bestimmen, aber zunächst gibt es auch noch nicht wirklich was zu befürchten.

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Von dem Hochplateau mit Bombenaussicht schlängelt sich der gut befestigte Wanderweg ohne große Umwege in den dichten Dschungel. Aufpassen sollte man auf die Natur um sich herum, die nicht nur aus sensiblen Gewächsen besteht, sondern in der auch zahlreiche Dschungelbewohner leben.

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Das inkludiert nicht nur süße Artgenossen wie diesen Frosch, sondern auch Schlangen und große Spinnen. Aber keine Angst, wenn ihr mit einer gewissen Grundvorsicht durch den Park lauft und die überwältigende Szenerie ohne sinnloses Anfassen genießt, sollte es zu keinen Problemen kommen. Keines dieser Tiere ist auf Stress mit euch aus, wenn ihr es nicht in die Enge treibt.

Der gesamte Rundweg wird mit 1,9 Meilen (also 3,1 Kilometer) angegeben. Zwischendurch gibt es insgesamt drei Möglichkeiten abzukürzen.

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Wer merkt, dass es gar nicht funktioniert, kann so sämtliche große Hängebrücken umgehen und sieht dann aber maximal 1/3 des Parks, eher weniger. Wer nach der ersten großen Brücke merkt, dass es nicht passt, kann auch dort abkürzen und sich die Runde mit den größten Exemplaren sparen. Ob das noch Sinn macht, wenn man bereits eines der großen Exemplare gemeistert hat, muss jeder für sich selbst entscheiden.

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Das Hauptargument des Parks sind aber natürlich die Brücken und die gibt es hier in allen Variationen. Nicht alle sind Wackel-Mutproben über klaffenden Abgründe, manche sind stabile Holz/Eisen-Konstruktionen und gerade mal einen Meter hoch und nur wenige Meter lang. Das längste Ungetüm misst aber beispielsweise 97 Meter, das höchste überbrückt einen Abgrund von 45 Metern. Das geht dann schon ab.

Nach der ersten Brücke gibt sich Dustin daher auch noch überheblich siegessicher, es folgen zwei weitere überschaubare Modelle mit rund 20 Metern Länge und einer nicht so dramatischen Höhe von 8-10 Metern. Dann folgt der Aufstieg an einem steilen Dschungelhang empor, der immer wieder faszinierende Ausblicke auf die unglaubliche Landschaft erlaubt. Durch das Blätterdach blitzen immer wieder Teile einer gigantischen Stahlkonstruktion durch. Das Unheil kommt näher und dann liegt es plötzlich vor uns. Der Dschungelhang öffnet sich und offenbart eine 75 Meter lange Hängebrücke über einem 45 Meter Abgrund. Die Konstruktion ist recht steif, wackelt aber natürlich trotzdem ein bisschen. Und der Boden ist durch ein Eisengitter quasi durchsichtig.

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Ich, um hier mal in die Perspektive des Angsthasen zu wechseln, bin plötzlich ganz ruhig geworden und spaziere nervös vor der Brückenschwelle hin und her….nach einigem Überlegen wage ich dann ein paar Schritte nach vorne, dann wieder mehrere Schritte zurück. Ich habe sichtlich Zweifel, ob ich diesen Abgrund überwinden kann. Gleichzeitig fuchst es mich aber auch, diese Hürde in meinem Kopf irgendwie zu durchbrechen.  Wieder ein paar Schritte vor….nein, doch nicht…wieder zurück. Nur mit dem Tunnelblick funktioniert es…doch auch dann wird immer wieder der Abgrund sichtbar. Und spätestens nach den ersten 10 Metern ist auch das Blätterdach als schützender Begleiter links und rechts verschwunden. Es ist als ob man auf wackligen Füßen durch den Dschungelhimmel läuft.

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Die Überwindung einer solchen Angst läuft vermutlich bei jedem anders ab, umso mehr ich mich auf’s Ende der Brücke konzentriere, desto weniger angsteinflößend erscheint sie mir. Ohne noch weiter drüber nachzudenken, watschele ich plötzlich ohne Vorwarnung in einer seltsamen Hockposition los (zum Glück gibt es davon keine Fotos!). Ich blende alles aus, was neben oder unter mir ist und schaue nur stur nach vorne. Plötzlich stehe ich in der Mitte der Brücke. Ich fühle mich sichtlich unbehaglich, weil hier das Geländer Konstruktions-bedingt am niedrigsten ist. Also noch tiefer in die Hocke, damit mein Kopf auf keinen Fall über dem Geländer ist und ich die tatsächliche Situation ungefiltert sehen kann. Ich watschele weiter, stur nach vorne schauend….kurze Zeit später bin ich durch.  Tamy versteht die Welt nicht mehr. Es geht also, auch mit Höhenangst! Crazy!

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Hat man die erste große Brücke geschafft, gehen die anderen natürlich deutlich leichter von der Hand. Aus meiner gebückten Watschelhaltung wird mehr und mehr aufrechter Gang, der natürlich immer noch angespannt aussieht. Die beiden Exemplare nach meiner ersten großen Überwindung sind erneut besonders hoch und weit. Vor allem die Puente La Catarata, die sich über ein riesiges Dschungeltal mit Wasserfall spannt, ist 92 Meter lang und schwebt 45 Meter über dem Abgrund. Ein Ungetüm von einer Brücke! Aber letztendlich gilt auch hier: Augen zu und durch….und vielleicht zwischendurch auch mal Augen auf!

Denn mit jeder weiteren Brücke kommt dann langsam auch die Wahrnehmung für die Umwelt hinzu, die man gerade in den Überwindungsmomenten natürlich komplett ausklammert. Die Erkenntnis, wo man hier unterwegs ist….inmitten dieser lebhaften, unbändigen Wildnis, die man hier tatsächlich in allen Ebenen beobachten und wahrnehmen kann, also vom Dschungelboden bis in die Baumwipfel…dieses Erlebnis ist kaum in Worte zu fassen.

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Anschließend geht es über einen schmalen Serpentinenweg ins Tal, wo als Belohnung ein kleiner Wasserfall wartet, der nicht weiter spektakulär ist. Aber ein paar ruhige Minuten zum Durchschnaufen gönnen wir uns am Fuße, des sich über uns auftürmenden Dschungeltals. Dann wird es Zeit für den Rückweg, auf welchem jetzt deutlich näher am Talboden „nur noch“ Brücken mit etwa 20 Metern Höhe warten.

Ein besonderes Highlight ist dann nochmal die Puente El Tolomuco, die finale Hängebrücke, die mit sage und schreibe 97 Metern die längste im gesamten Park ist. Aber auch die ist am Ende kein wirkliches Problem mehr und wir kommen gut gelaunt und auch ein bisschen erleichtert wieder am Eingang des Brückenparks an. Wir haben alle Brücken geschafft!


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Ganz ehrlich, im Vorhinein hatte ich so meine Bedenken, ob ich meine Höhenangst hier tatsächlich besiegen könnte. Und Tamy musste mich eine ganze Weile bequatschen, bis ich tatsächlich mit ihr hin gefahren bin. Wäre sie nicht so hartnäckig gewesen, hätte unser Costa Rica-Trip wahrscheinlich ohne die Mistico Hanging Bridges stattgefunden. Im Nachhinein bin ich aber definitiv froh, dass wir es gemacht haben.

Der Moment vor der ersten großen Hängebrücke war heftig, aber wenn man sich Zeit nimmt, sich fokussiert und die Arschbacken zusammenkneift….dann geht tatsächlich doch so einiges.

Von daher würde ich dem Park auch anderen Menschen mit Höhenangst empfehlen. Wenn alle Stricke reißen, gibt es immer Wege, um auch ohne Hängebrücke wieder zum Anfang zurückzukommen. Wer aber die eigenen Grenzen ausloten und seine Angst überwinden will, hat hier eine imposante Möglichkeit dazu und kann dabei in den großartigen Dschungel von Costa Rica eintauchen!

Wie immer interessiert uns am Schluss eure Meinung! Habt ihr auch Höhenangst? Würdet ihr euch auf die Brücken trauen? Oder seid ihr Adrenalinjunkie und habt mit sowas überhaupt keine Probleme? Wart ihr vielleicht schon mal im Mistico Hanging Bridges-Park?

 


 

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